NIcht nur bei Jugendlichen ist das Smartphone inzwischen die Kamera Nummer 1. (Foto: Gustavo Fring/pexels.com)

Kameras gehören zu den beliebtesten Funktionen in Smartphones. Bei der Konstruktion der besten Smartphone-Kameras haben chinesische Hersteller den einstigen Platzhirschen Apple und Samsung das Revier streitig gemacht. Die Wachablösung erfolgte nicht zuletzt aufgrund von Kameratechnik aus Deutschland und Europa.

Telefonie ist im Smartphone von heute längst nur noch eine Funktion von vielen. Die Kamera gehört für viele Endverbraucher zu den wichtigsten Funktionen. Längst verfügen bereits Mittelklasse-Smartphones über Mehrfach-Kameras, die mit Tele-, ­Superweitwinkel- oder Bokeh-Aufnahmen erweiterte Funktionen bieten. Gängige Praxis bei vielen Herstellern ist die Kombination des Tele- und ­Ultra-Weitwinkelbereichs. Triple- oder Quad-Kameras sorgen für noch mehr Flexibilität bei der Aufnahme.

Allerdings gibt es zwischen den verschiedenen Herstellern und Modellen zum Teil noch erhebliche Qualitätsunterschiede. Um die Kameras weiter zu verbessern und die fotografischen Möglichkeiten zu erweitern, betreiben die Smartphone-Hersteller einen immensen Aufwand.

An die Spitze – mit freundlicher Unterstützung

Insbesondere chinesische Firmen holen sich dafür westliches Kamera-Know-how ins Boot. Das dies mehr ist, als bloße Effekthascherei beweist das Beispiel Huawei. Das Unternehmen reüssiert inzwischen im fünften Kooperationsjahr mit Fototechnik, die gemeinsam mit dem deutschen Kamera­hersteller Leica entwickelt wurde. Wie erfolgreich diese Verbindung ist, zeigt das unabhängige Ranking der Tester von DxOMark. Hier belegen Huawei-Smartphones mit Leica-Technologie drei der ersten fünf Plätze.

Nachahmer gibt es längst. So gaben Smartphone-Hersteller vivo und Zeiss im Dezember 2020 eine strategische Partnerschaft bekannt. Gemeinsam wolle man Innovationen im Bereich der mobilen Bildgebung vorantreiben und entwickeln. Das erste „vivo Zeiss co-engineered imaging system“ wird demgemäß in der vivo X60 Serie zum Einsatz kommen, heißt es in der gemeinsamen Presseerklärung. Das Vivo X50 Pro+ schaffte es sogar noch ohne Zeiss-Support in die Top 10 (Platz 8).

Allianz für bessere Smartphone Kameras: Spark Ni, Senior Vice PResident und CMO von vivo (l.), und Maximilian Foerst, President ZEISS Greater China (r.), bei der offiziellen Vorstellung des „vivo ZEISS Imaging Lqb“. (Foto: Jim Qian/vivo)
Allianz für bessere Smartphone Kameras: Spark Ni, Senior Vice PResident und CMO von vivo (l.), und Maximilian Foerst, President ZEISS Greater China (r.), bei der offiziellen Vorstellung des „vivo ZEISS Imaging Lqb“. (Foto: Jim Qian/vivo)

Neben dem gemeinsamen Entwicklungsprogramm beinhaltet die Partnerschaft von vivo und Zeiss auch die Kommunikationskampagne „vivo Zeiss Master Photography“, die das gemeinsam entwickelte Imaging-System promoten und Nutzer dazu inspirieren soll, ihrer Kreativität mit Premium-Smartphones von vivo freien Lauf zu lassen. „Die Partnerschaft zwischen vivo und Zeiss steht ganz im Zeichen von Mobile Imaging“, sagt Jörg Schmitz, Head of Zeiss Consumer Products. „Die breite, jahrzehntelange Expertise von Zeiss im Bereich optischer Technologien wird es vivo ermöglichen, die Bildgebungsleistung seiner Premium-Smartphones weiter auszubauen.“

Hasselblad bandelt mit One an

Pionier solcher Kooperationsvereinbarungen ist Hasselblad. Die Schweden machten vor einigen Jahren bereits mit Kameraaufsätzen für Mobiltelefone von Motorola, den so genannten Motomods, von sich reden. Jetzt bahnt sich Gerüchten zufolge die nächste Partnerschaft an. Hasselblad soll jedenfalls das Objekt der Begierde des chinesischen Smartphone-Herstellers One sein. Spekuliert wird im Netz zudem schon über eine strategische Partnerschaft, vergleichbar mit der von Leica und Huawei. In einem ­Video zeigt der Youtuber ­Dave2D Fotos, die vermeintlich das kommende One Plus 9 Pro zeigen sollen. Im Film prangt auf der Vierfachkamera prominent der Hasselblad-Schriftzug.

Realität oder Fake? Das neue Smartphone One Plus 9 Pro mit Hasselblad-Kamera. (Foto: Screenshot)
Realität oder Fake? Das neue Smartphone One Plus 9 Pro mit Hasselblad-Kamera. (Foto: Screenshot)

Die chinesischen Hersteller werden infolge dieser Kooperationen in Zukunft sicher nicht schlechtere Kameras in ihre Smartphones einbauen. Schon jetzt ist ihre Dominanz erdrückend. Wie schnell hier der Wachwechsel vollzogen wurde, zeigt ein Blick zurück. Vor drei Jahren befanden sich zu Jahresbeginn in den Top-10 der besten Smartphone-Kameras nach DxOMark gerade einmal drei ­Modelle chinesischer Hersteller, das Huawei Mate 10 Pro, HTC U11 und Xiaomi Mi Note 3. Die übrigen Plätze teilten sich Samsung, Apple und Google auf. Das Pixel 2 des Suchmaschinenriesen ­belegte den ersten Rang.

Schlägt das Imperium noch einmal zurück?

Heute ist das Verhältnis umgekehrt: Lediglich Apple iPhone 12 Pro und Pro Max sowie das Samsung Galaxy S20 ­Ultra 5G (Exynos) können mit der Kamerakonkurrenz aus dem Reich der Mitte noch konkurrieren. Besonders für Samsung, einst selbst Kamerahersteller, eine herbe Enttäuschung. Doch mit dem Galaxy S21 Ultra 5G wollen die Koreaner zurück an die Spitze. Das neue Galaxy-Flaggschiff verfügt über eine fortschrittliche Quad-Hauptkamera mit 108 Megapixel Weitwinkel-, 12 Megapixel Ultra-Weitwinkelobjektiv sowie erstmalig über zwei Teleobjektive in einem Galaxy Smartphone. Mit der Video Snap-Funktion beispielsweise können Nutzer beeindruckende Augenblicke als hochauflösende Fotos aus 8K-Videos zu extrahieren. Erstmals bei einem Galaxy-Smartphone können mit jedem der Objektive Aufnahmen in 4K gemacht werden – auch mit der Frontkamera.

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Dieser Beitrag erschien zuerst in der Print-Ausgabe 01-0/2021 von FOTOwirtschaft.