E-Commerce-Gigant Amazon hat in den USA das Händlerprogramm „Sold by Amazon“ aufgelegt. Das erlaubt Amazon Preissenkungen bei garantierter Mindestmarge für die Marketplace-Händler.
E-Commerce-Gigant Amazon hat in den USA das Händlerprogramm „Sold by Amazon“ aufgelegt. Das erlaubt Amazon Preissenkungen bei garantierter Mindestmarge für die Marketplace-Händler. Wie das funktioniert und was sich Amazon davon verspricht.

Der Amazon Marketplace boomt. Täglich kommen weltweit 3.300 neue Verkäufer hinzu. Dies hat die kürzlich veröffentlichte Studie der US-Plattform Marketplace Pulse ermittelt. Aktuell bieten auf der Plattform rund 2,8 Millionen aktive Verkäufer ihre Produkte an. Der größte Teil stammt aus den Vereinigten Staaten (ca. 1 Mio. Verkäufer), Indien (rund 400.000 Händler) und Großbritannien (ca. 300.000 Verkäufer) folgen auf den Plätzen zwei und drei. Nachdem kürzlich ein neuer Markplatz in Singapur eröffnet wurde, betreibt Amazon mittlerweile 16 Marktplätze weltweit.

Kleine und Mittelständische Unternehmen aus Deutschland bei Amazon
Die Amazonisierung des Abendlandes. Mit „Sold by Amazon“ könnte der Online-Riese bald noch attraktiver für Marketplace-Händler werden. (Grafik: Amazon)

Doch auch für viele Deutsche Online-Händler sind der Amazon Marketplace oder Amazon Stores beliebte und sinnvolle Ergänzungen zum eigenen Onlineshop. Und dementsprechend profitieren ebenfalls viele Fotofachhändler hierzulande von der marktbeherrschenden Stellung des US-Giganten.

Neues Händlerprogramm „Sold by Amazon“

Der hat jetzt in den Vereinigten Staaten mit „Sold by Amazon“ (SBA) ein neues Händlerprogramm an den Start gebracht. Verkäufer, die Produkte für dieses Programm freigeben, übertragen Amazon die Kon­trolle über den Verkaufspreis. Eine garantierte Mindestmarge sichert dabei den Erlös des Händlers. Wird ein Produkt günstiger verkauft, gleicht Amazon die Differenz zur Mindestmarge aus. Andersherum kann der Mindesterlös – zumindest in der Theorie – auch steigen, wenn Amazon das Produkt zu einem teureren Preis verkauft.

Das sind die Vorteile für die Marktplatzhändler

In dem Moment, in dem ein SBA-Artikel gekauft wird, passieren zwei Verkaufsprosesse in einem: Amazon erwirbt den Artikel vom Händler und verkauft ihn unter eigenem Namen – deshalb „Sold by Amazon“ – an den Endkunden. Rechnungssteller ist in ­diesem ­Moment Amazon. Folgerichtig übernimmt die Plattform dann auch eine mögliche Retoure.

Vor- und Nachteile von „Sold by Amazon“

Das Programm bietet prinzipiell den Vorteil, dass der Händler Verluste durch Preiskämpfe vermeidet und seine feste Mindestmarge erhält. Vorteil für Amazon: Das Unternehmen kann auch mit niedrigen Preisen Umsätze generieren und aus mehr Umsatz resultiert am Ende des Tages auch mehr Ertrag.

Nicht den eigenen Online-Shop kannibalisieren

Doch Obacht: Kritisch wird es für den Händler, wenn er nicht ausschließlich über Amazon verkauft. Dann verliert er womöglich die Kontrolle über seine eigene Preispolitik. Denn dann kann es passieren, das er eine Kamera bei Amazon günstiger verkauft als im eigenen Onlineshop oder auf ­einem anderen Marktplatz.

Händler, die signifikanten Umsatz über andere Online-Kanäle erzielen, sollten dies deshalb bei ihren Überlegungen unbedingt miteinbeziehen. Noch ist genug Zeit. Denn wann „Sold by Amazon“ in Deutschland eingeführt wird, steht nämlich noch nicht fest.