Einzelhandel in der Krise: Die Besucherfrequenz der Einkaufsstraßen, hier die Hohe Straße in Köln, hat aufgrund der Corona-Pandemie deutlich nachgelassen. (Foto: David Gray/pixabay.com)Die Besucherfrequenz der Einkaufsstraßen, hier die Hohe Straße in Köln, hat aufgrund der Corona-Pandemie deutlich nachgelassen. (Foto: David Gray/pixabay.com)

Der stationäre Einzelhandel ist nach dem zweiten Lockdown noch längst nicht wieder auf Vor-Pandemie-Niveau. Auch weil sich die Konsumenten während der Pandemie an das Onlineshopping gewöhnt haben. Mit gravierenden Folgen für den Handel in Innenstädten.

Frust im stationären Einzelhandel in deutschen Innenstädten. Eine stärkere Frequentierung der Shops in Innenstadtlagen lässt nach dem zweiten Lockdown weiter auf sich warten. Dabei ist die Lust, wieder ein Geschäft zu besuchen, bei knapp der Hälfte der Konsumenten durchaus vorhanden. Zu dieser Erkenntnis gelangen die Verfasser des aktuellen Corona Consumer Check des IFH Köln. Zugleich erweisen sich die unzureichenden Hygiene- und Abstandsregeln sowie die Angst vor einer Infektion als große Besucherbarrieren. Hinzu kommt, dass sich die Konsumenten in der Pandemie ans Onlineshopping gewöhnt haben.

Symbiotische Beziehung von Stadt und Einzelhandel

„Stadt und Handel haben sich in den letzten Jahren gewandelt und werden sich weiter wandeln müssen“ – so lautet das Fazit der Studie „Zukunft des Handels – Zukunft der Städte“, die das IFK Köln für das Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen (MWIDE NRW) erstellt hat. Darin wurden der Status quo und die Perspektiven des Handels in Innenstädten, Quartieren, Stadtteil- und Ortszentren in Nordrhein-Westfalen untersucht.

Jüngere Konsumenten finden immer seltener den Weg in die City

Denn die Zukunft des Handels und die Zukunft der Städte ist eng miteinander verknüpft, weil Stadt und Einzelhandel in einer wechselseitigen, beinahe symbiotischen Beziehung zueinander stehen. Konkret geht es um die Umwandlung vom monofunktionalen Einkaufsraum in multifunktionalen Lebensraum, wie es in der Studie heißt. Denn durch geändertes Einkaufsverhalten verringern sich Besucherfrequenz und Verweildauer. Besondere jüngere Konsumenten finden immer seltener den Weg in die City.

Beispiel Köln: zentrale Innenstadt-Plätze fest in der Hand der Drogenszene

Und das hat bisweilen schwerwiegende Folgen, wie etwa das Beispiel Köln zeigt. In der größten Stadt Nordrhein-Westfalens ist der Neumarkt das Herz der Innenstadt. Sieben Straßenbahn- und zwei Buslinien bringen Menschen aus dem ganzen Stadtgebiet hierher. Ziel der meisten: der stationäre Einzelhandel. Schließlich befindet sich hier die Schildergasse, die den Eingang in das größte zusammenhängende Shopping-Quartier der Stadt mit Hohe Straße und Breite Straße bildet. Bereits vor und erst recht während der Pandemie hat die Besucherfrequenz stark nachgelassen. Heute ist der zentrale Platz fest in der Hand der Drogenszene und steht seither mehr für Müll, Schmutz, Dealerei und Drogenkonsum.

Monofunktionaler Einkaufsraum wird multifunktionaler Lebensraum

Doch wie lässt sich die Attraktivität innerstädtischer Handelsstandorte erhöhen, um wieder zum Besuchen und Verweilen zu motivieren? Für die Studie hat das IFH Köln dazu Konsumentinnen und Konsumenten altersgruppenübergreifend in NRW befragt. Mit dem Ergebnis, dass Innenstädte neben „Einkaufen/Shopping“ auch verstärkt andere (potenzielle) Besuchsmotive bedienen sollten. Multifunktionalität, die Kombination unterschiedlicher Nutzungsarten, wie beispielsweise Handel, Gastronomie, Freizeit-, Kultur-, Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen ist gefragt. Hohe Bedeutung genießen zudem konsumfreie Verweil-, Freizeit- und Interaktionszonen – kurz: Innenstädte müssen den Wandel von monofunktionalen Einkaufsräumen zu multifunktionalen Lebensräumen vollziehen.