Bernd Aufderheide, Vorsitzender der Geschäftsführung der Hamburg Messe und Congress, über den aktuellen Stand der Vorbereitungen vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie, den Umgang mit Erwartungen und viel Zuspruch aus der Branche. (Foto: Hamburg Messe & Congress/Anatol Kotte)

Vom 23. bis zum 26. September öffnet die Photopia Hamburg zum ersten Mal ihre Tore. Das viertägige Festival richtet sich an die gesamte Digital-Imaging-Branche. Das Messe-Event spricht Profis ebenso an wie Hobbyfotografen, Smartphone-User sowie alle, deren Leidenschaft und Business das Fotografieren und Filmen ist. Im Interview spricht Bernd Aufderheide, Vorsitzender der Geschäftsführung der Hamburg Messe und Congress, über den aktuellen Stand der Vorbereitungen vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie, den Umgang mit Erwartungen und viel Zuspruch aus der Branche.

Herr Aufderheide, in zwei Monaten startet die Photopia Hamburg. Die erste Eigenveranstaltung in komplett physischer Form seit dem Beginn der Corona-Pandemie ist zugleich eine Premiere. Wie ist die Stimmungslage bei Ihnen und Ihrem Team?

Aufderheide: Wir sind natürlich alle sehr gespannt und erwarten voller Vorfreude den Startschuss der Photopia Hamburg. Die Planungen waren und sind immer noch alles andere als einfach. Wir erleben seit 18 Monaten eine globale Krise von ungeahntem Ausmaß und können jetzt nicht so tun, als ob alles wieder in Ordnung wäre. Dennoch helfen uns die aktuell niedrigen Inzidenzen, eine fortschreitende Impfkampagne und umfangreiche Testmöglichkeiten, unser Herzensprojekt in diesem Jahr zu starten. Und die Branche honoriert das.

„Wir wollen mit der Photopia Hamburg ein Ausrufezeichen setzen“

Woran machen Sie dies fest?

Aufderheide: Wir wollen mit der Photopia Hamburg in den kommenden Jahren ein Ausrufezeichen setzen und gemeinsam mit der Industrie etwas Großartiges schaffen. Dazu bedarf es auch unter den gegebenen Bedingungen eines Anfangs. Auch wenn wir an der ein oder anderen Stelle noch mit Einschränkungen leben müssen: Wir sind stolz darauf, allen Beteiligten ein vielfältiges Programm bieten zu können. Und 2022 starten wir – bei einer hoffentlich weiter normalisierten Situation – größer durch.

200 Meter Glasfläche an den B-Hallen der Hamburg Messe ­werden bei PHOTOPIA zu einer öffentlichen Galerie. Im Inneren sorgen an die hundert 40-Fuß-Seecontainer für hanseatisches Flair. (Foto: Bertram Solcher)
200 Meter Glasfläche an den B-Hallen der Hamburg Messe ­werden bei der Photopia zu einer öffentlichen Galerie. Im Inneren sorgen an die hundert 40-Fuß-Seecontainer für hanseatisches Flair. (Foto: Bertram Solcher)

Eine Absage in diesem Jahr stand nicht zur Diskussion?

Aufderheide: Natürlich gab es in den vergangenen Monaten Zeiten, in denen wir nicht sicher waren, ob die Photopia Hamburg wie geplant stattfinden kann. Aber wir haben uns davon nicht beirren lassen, denn als Messemacher sind wir von Natur aus Optimisten. Wir haben ein umfassendes Hygienekonzept für die sichere und reibungslose Durchführung von Events entwickelt, von dem wir überzeugt sind. Selbstverständlich wäre es unter normalen Umständen unser Ziel gewesen, noch mehr Aussteller für die Erstveranstaltung zu gewinnen, als tatsächlich zugesagt haben. Doch ich denke, in dieser Situation ist ein wenig Demut angebracht: Die großen Unternehmen sind dabei und darüber freuen wir uns sehr, auch wenn wir zur Premiere noch nicht die gesamte Bandbreite der Imaging-Branche abbilden können, so wie es unser ursprünglicher Plan war.

„In dieser Situation ist ein wenig Demut angbracht.“

Was hat Ihnen während der Vorbereitungen Mut gemacht?

Aufderheide: Das Motto „share your vision“ drückt unsere Haltung aus. Wenn man in diesen herausfordernden Zeiten eine Veranstaltung in den Dimensionen der Photopia Hamburg plant, dann gehört neben einer großen Portion Idealismus und Leidenschaft vor allem das bedingungslose Vertrauen in starke Partner und Unterstützer aus den Reihen der Aussteller dazu. Wir haben aus allen Teilen der Industrie viel Lob für die Photopia und für ihr innovatives Konzept erhalten. Das kam auch von Unternehmen, die sich letztlich nicht zu einer Teilnahme an der diesjährigen Veranstaltung durchringen konnten. Dieser Zuspruch hat uns deutlich gezeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Das Konzept ist das eine. Damit alles tatsächlich umgesetzt werden kann braucht es mehr.

Aufderheide: Das stimmt. Deshalb sind wir froh, für die Photopia Hamburg ein fantastisches Team mit wahren Koryphäen gewonnen zu haben. Da ist zum einen der international renommierte Bühnenbildner und Set-Designer Jens Weber, der für das Hallenkonzept verantwortlich zeichnet. Dann unser künstlerischer Leiter Christian Popkes und schließlich unsere Schirmfrau, die weltweit bekannte Mode-Fotografin Ellen von Unwerth. Auch dafür haben wir aus Fachkreisen viel Anerkennung erhalten. Erwähnen möchte ich hier schließlich noch den starken Rückhalt aus der Politik und der gesamten Stadt.

„Der Vergleich von Photopia und photokina macht keinen Sinn.“

Was halten Sie von einem Vergleich der Photopia Hamburg mit der Photokina?

Aufderheide: Dieser Vergleich hinkt und macht deshalb aus meiner Sicht keinen Sinn. Ich kenne die Photokina noch aus meiner Zeit bei der KölnMesse als gesetzte Veranstaltung für die Fotobranche. Demgegenüber verfolgt die Photopia Hamburg mit ihrem Festivalcharakter ein zeitgemäßes Konzept. Hier kommen alle zusammen: Branchenexperten, Profis, Hobbyfotografen, Drohnenflieger, Gear-Freaks, Künstler, Musikliebhaber und internationale Megastars. Für all diese Menschen stellen wir das Festival auf die Beine und bieten ihnen die entsprechenden Bühnen, Räume und Möglichkeiten. Langfristig wollen wir die Themen Virtual Reality und KI noch stärker abbilden und auch gezielt junge Smartphone-User ansprechen und Hamburg gemeinsam mit unseren Partnern und Ausstellern zur neuen Foto-Hauptstadt Deutschlands machen.

Langfristig wollen wir die Themen Virtual Reality und KI noch stärker abbilden und auch gezielt junge Smartphone-User ansprechen

Bernd Aufderheide

Worauf können sich die Besucher der Photopia Hamburg konkret freuen?

Aufderheide: Da ist zunächst einmal das spektakuläre Hallenkonzept – eine Hommage an Hamburg als das Tor zur Welt. Mehr als 350 Container schaffen für die Besucher eine eigene Welt aus Formen, Figuren und Perspektiven, in die sie eintauchen können. Dann natürlich die Angebote der Aussteller, darunter führende Hersteller von Kameras und Kamerazubehör. Dazu haben wir in Kooperation mit unseren Partnern wie dem Reeperbahn Festival und den Online Marketing Rockstars auf zwei Bühnen ein vielfältiges Programm zusammengestellt mit Keynotes, Fachvorträgen, Masterclasses, Ausstellungen, Workshops und vielem mehr.

Photopia will „ein Festival für alle“ sein.

Welche Angebote gibt es darüber hinaus speziell für Fachbesucher oder die breite Öffentlichkeit?

Aufderheide: Wir wollen ein Festival für alle sein. Speziell für Profi-Fotografen und Kreative wird es eine viertägige Konferenz geben: Die Creative Content Conference zeigt aktuelle Trends in der professionellen Foto- und Videoproduktion und bietet in einem inspirienden Umfeld die ideale Gelegenheit zum Netzwerken. Und auch außerhalb der Messehallen werden wir präsent sein und Fotografie erlebbar machen. Dies wird sich in Form von Fotokunst im öffentlichen Raum, Events und speziellen Foto-Walks zeigen.

Dies passiert alles ausschließlich in den vier Veranstaltungstagen?

Aufderheide: Nicht ganz, so können sich Fotoenthusiasten bereits im Vorfeld der Photopia Hamburg beispielsweise bei unseren Fototörns im Hafen auf reine Foto-Barkassen begeben und von Fototrainern Tipps für bessere Fotos mitnehmen. Alles in allem bin ich davon überzeugt, dass wir zur Premiere bereits ein sehr vielseitiges Gesamtpaket geschnürt haben, das Besuchern wie Ausstellern Inspirationen bietet, positive Impulse in der Imaging-Branche setzt und Lust auf mehr machen wird.

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