Schuld war nicht nur Corona: Lange Schlangen an den Eingängen der Koelnmesse bei der photokina wird es erst wieder im Mai 2022 geben. (Foto: Koelnmesse GmbH, Harald Fleissner)
FOTOwirtschaft-Chefredakteur Andreas Ohlberger

Die Macher der photokina sind im Augenblick wirklich nicht zu beneiden. 2019 den Wechsel zum jährlichen Turnus verschoben, für 2020 Absagen namhafter Aussteller kassiert – und jetzt die ganze Veranstaltung abgesagt. Vordergründig wegen Corona – richtige Entscheidung. Trotzdem schießt mir unweigerlich ein Zitat von Andreas Brehme, Fußballweltmeister von 1990, durch den Kopf: „Hast du Scheiße am Schuh, hast du Scheiße am Schuh.“

Doch die Imaging Leitmesse teilt nur das Schicksal vieler weiterer Veranstaltungen. CP+ – abgesagt. Horizonte Zingst – abgesagt. Fürstenfelder Naturfototage – abgesagt. Messen, Sport- und Kulturveranstaltungen – abgesagt. Weite Teile des Einzelhandels machen dicht. Wegen Corona.

Ein Virus hält die Welt in Atem und offenbart dabei so manch menschliche Abgründe. Ignoranz, Dummheit, Naivität. In Deutschland sterben Menschen, weil sie mit dem Virus infiziert sind. Doch anstatt die Warnsignale zu vernehmen, Handlungsanweisungen zu befolgen und womöglich lebensrettende Verhaltensmuster für den eigenen Alltag abzuleiten, geht der Deutsche auf Corona-Partys, tummelt sich in großer Zahl draußen, um die Frühlingssonne zu genießen. Und der Rest kauft Klopapier und Nudeln bis die Regale leer sind. Geht‘s noch?

Dabei zeigt uns Corona gerade, dass die Krise auch positive Nebeneffekte mit sich bringt. In Chinas Großstätten geht die Luftverschmutzung zurück, weil alle zuhause bleiben. Statt des üblichen Smogs sehen die Menschen dort wieder den Himmel. In den Kanälen von Venedig fließt plötzlich klares Wasser statt trüber Brühe. Auch bei uns in Deutschland geht die Schadstoffbelastung zurück, weil deutsche Arbeitgeber und Arbeitnehmer plötzlich produktiv von Zuhause arbeiten. So mancher Bürohengst kommt schlagartig in der Arbeitswelt 2.0 an. Und stellt fest: Es funktioniert.

Die Erkenntnis: Manchmal braucht es eben diesen Impuls von außen, um Veränderungen anzustoßen. Ich wünsche mir, nein, ich bin mir sicher, dass auch die photokina aus dieser Krise gestärkt hervorgehen wird und wir 2022 ein herausragendes Event erleben werden. Informativ, attraktiv, initiativ und interaktiv – eben zeitgemäß und ganz ohne Scheiße am Schuh.

In diesem Sinne, bleiben Sie gesund und optimistisch.

Ihr

Andreas Ohlberger
FOTOwirtschaft-Chefredakteur