Auf dem Absprung: Nikon wird genau wie Olympus und Leica nicht auf der photokina 2020 ausstellen. (Foto: Koelnmesse GmbH/Harald Fleissner)
Am Abend des 17. September informierte die Koelnmesse die Medien darüber, dass Nikon, Olympus und Leica nicht auf der photokina 2020 ausstellen werden.

Ein Schlag ins Kontor: Nikon, Olympus und Leica – drei ausgewiesene Platzhirsche der Imaging-Branche – sagen der photokina Adé. Für 2020, oder für unbestimmte Zeit – womöglich sogar für immer. Von aktuell massiven Veränderungen in der Fotobranche, die in bisher nicht gekannter Dimension auch Auswirkungen auf die Leitmesse photokina haben, spricht Koelnmesse-Chef Gerald Böse.

Während einerseits der klassische Kameramarkt stark rückläufige Absatz- und Umsatzzahlen meldet, wachse der Spaß am Fotografieren ungebrochen – mit positivem Effekt auf die Bildernachfrage. Zusätzliche Impulse erhofft sich die Branche bei kommenden Veranstaltung, die vom 27. bis 30. Mai 2020 in der Koelnmesse stattfindet, auch von einer konsequenten Weiterentwicklung der Segmente Mobile, Motion und Digital Imaging.

Absagen ein Dämpfer für die Ambitionen der Koelnmesse

„Die photokina stellt eine einzigartige Chance dar, der Welt zu zeigen, dass die Themen Foto, Video und Imaging nicht an Relevanz verloren haben“, so Böse. „Wir setzen darauf, dass die großen Player der Industrie diese Chance möglichst geschlossen nutzen.“ Mit dem Abschied von Nikon, Olympus und Leica, der übrigens in der gleichen Meldung wie das Böse-Statement veröffentlicht wurde, hat diese Hoffnung – trotz der Zusagen von Canon, CEWE, GoPro, Sony, Panasonic, Kodak Alaris, Sigma, Tamron, Carl Zeiss, Hasselblad und vielen anderen – einen herben Dämpfer erhalten.

Gerald Böse, Vorsitzender der Geschäftsführung der Koelnmesse ist überzeugt, dass die photokina 2020 eine einzigartige Chance darstellt, um der Welt zu zeigen, dass die Themen Foto, Video und Imaging nicht an Relevanz verloren haben. (Foto: Koelnmesse GmbH / Rüdiger Nehmzow)
Gerald Böse, Vorsitzender der Geschäftsführung der Koelnmesse ist überzeugt, dass die photokina 2020 eine einzigartige Chance darstellt, um der Welt zu zeigen, dass die Themen Foto, Video und Imaging nicht an Relevanz verloren haben. (Foto: Koelnmesse GmbH / Rüdiger Nehmzow)
Sind Messen wie die photokina Auslaufmodelle?

Gut möglich, dass dieser Dämpfer noch lange nachhallt. Begründet doch René Rüdisühli, General Manager Imaging bei Nikon das Fernbleiben von der photokina wiefolgt. „Vor dem Hintergrund der zunehmenden Relevanz dezentraler Endkunden- und Händlerveranstaltungen sowie der stetig steigenden Digitalisierung in der Informationsbeschaffung, ist der neue jährliche Turnus der photokina für uns nicht nachvollziehbar. Unter diesen Vorzeichen sind wir mit dem Headquarter in Tokio und der Europazentrale in Amsterdam übereinstimmend zu dem Schluss gelangt, im Jahr 2020 von einer Teilnahme abzusehen.“

Lieber viele kleinere Events, als ein großes

Ins gleiche Horn stößt auch Olaf Kreuter, Trade Marketing Manager bei Olympus: „Wir tragen damit dem anhaltenden Bedeutungsverlust der großen Branchenevents Rechnung. Unsere Zielgruppen und Stakeholder erreichen wir auf anderen Wegen einfach besser.“ Die durch den Verzicht auf die photokina freiwerdenden Kapazitäten wolle man nun dafür einsetzen, um Fotografie weiterhin für Menschen erlebbar zu machen. So werden wir Olympus auch 2020 wieder auf vielen Fotofestivals antreffen, präsent sein, zum Beispiel auf der „Mundologia“ in Freiburg, beim Umweltfotofestival „horizonte“ in Zingst und auf dem Oberstdorfer Fotogipfel.

Olaf Kreuter (M.), Trade Marketing Manager bei Olympus, diagnostiziert bei großen Branchenevents einen anhaltenden Bedeutungsverlust. Deshalb bleibt Olympus der photokina 2020 fern.
Olaf Kreuter (M.), Trade Marketing Manager bei Olympus, diagnostiziert bei großen Branchenevents einen anhaltenden Bedeutungsverlust. Deshalb bleibt Olympus der photokina 2020 fern. (Foto: PIV)
Zielgruppen-spezifische Events im Vorteil

Den Handel erreicht die photokina ohnehin nicht mehr, weil Köln keine Ordermesse ist. Hier ist der photokina mit der von der Händlerkooperation Ringfoto/United Imaging Group veranstalteten „Fotomesse für den Fachhandel“ in Nürnberg starke Konkurrenz erwachsen. Und bei Events wie „horizonte Zingst“ ist auch der Endverbraucher viel näher und unmittelbarer am Geschehen dran. Eine Nähe, welche die photokina trotz zuletzt grundlegender Konzeptanpassungen sowie hohen Investitionen in neue Aussteller- und Besuchersegmente in den Augen einiger Industrievertreter scheinbar nicht herstellen kann. Eine gefährliche Erkenntnis, die schnell einen Schneeballeffekt zur Folge haben kann, wenn die photokina 2020 die Erwartungen nicht erfüllt.

Vorbereitungen für 2020 laufen auf Hochtouren

Gleichwohl ist die Aufmerksamkeit für die Messe weiterhin ungebrochen. „Wir freuen uns über eine starke Nachfrage und Anmeldungen von Unternehmen aus den neuen sowie den klassischen Segmenten“, erklärt Christoph Werner, Geschäftsbereichsleiter der Koelnmesse. Auch die Eventplanungen laufen auf Hochtouren. Man befinde sich in konkreten Gesprächen zu einer neuen Erlebnisfläche für Fotografie, so die Koelnmesse. Gleiches gelte für die Akquise „herausragender Speaker“ für die Bühnen. Zudem werde auch an spezifischen Konzepten für Start-ups, Händler und Professionals gearbeitet.

photokina eine weltweit besondere Veranstaltung

Deshalb ist sich Christoph Werner sicher, den Besuchern auch 2020 ein großartiges Messeerlebnis präsentieren zu können. „Die Absagen, bedauern wir natürlich, sie ändern aber nichts am Gesamterlebnis der photokina. Die einzigartige Mischung aus Produktpräsentation, Networking, Erlebnis und Weiterbildung machen die photokina seit vielen Jahrzehnten zu einer weltweit besonderen Veranstaltung.“