Über die Ausrichtung der Photo+Adventure, des Messe-Festivals für Fotografie, Reise und Outdoor, die Folgen der Coronakrise für die Veranstaltung und den Boom der Fotofestivals in den letzten Jahren sprach FOTOwirtschaft mit der Geschäftsführerin der P+A Photo Adventure GmbH, Daniela Thies. (Foto: Photo+Adventure / Tina Umlauf)

Über die Ausrichtung der Photo+Adventure, des Messe-Festivals für Fotografie, Reise und Outdoor, die Folgen der Coronakrise für die Veranstaltung und den Boom der Fotofestivals in den letzten Jahren sprach FOTOwirtschaft mit der Geschäftsführerin der P+A Photo Adventure GmbH, Daniela Thies.

Wie viele Fotofestivals in diesem Frühjahr konnte auch die Photo+Adventure, das Messe-Festival im Landschaftspark Duisburg-Nord, wegen Corona nicht zum geplanten Zeitpunkt stattfinden. Warum Absagen keine Option war und was beim neuen Termin im Oktober, anders sein wird, berichtet Geschäftsführerin Daniela Thies im Interview.

Frau Thies, wie arbeitet es sich als Festival-Veranstalter in der Coronakrise?

DANIELA THIES: „Es war sehr anstrengend. Im Grunde war bereits früh klar, dass wir uns um einen Ersatztermin bemühen müssen. Da haben wir schon drüber gesprochen, bevor das ­Virus hier so richtig ankam. Wir hatten einfach ein schlechtes Bauchgefühl und haben dann in der Location in Duisburg gefragt, ob  überhaupt die Möglichkeit besteht, einen Ausweichtermin zu bekommen. Denn wir mieten ja immer einen großen Teil des Landschaftsparks. Tatsächlich gab es zwei Alternativen, und den Termin im Oktober haben wir dann vorsorglich schon mal blockiert. Jetzt sind wir natürlich froh, dass wir den Termin haben und nicht wie andere direkt alles absagen mussten. Ob wir dann im Oktober tatsächlich veranstalten können, kann zum jetzigen Zeitpunkt noch niemand sagen. Stand heute jedenfalls sieht es gut für uns aus und ich bin optimistisch, dass wir durchführen können.“

Treue Partner und Besucher halten der Photo+Adventure die Stange

Wie sehr hat die Coronakrise ihre Partner und Sponsoren getroffen?

DANIELA THIES: „Dadurch, dass wir die Themen Fotografie, Reisen und Outdoor verbinden, haben wir mit dem Reisesektor natürlich eine Gruppe, die es am härtesten getroffen hat. Die haben tatsächlich auch zum großen Teil schon abgesagt für 2020, weil sie jetzt erst einmal schauen müssen, dass sie den Kopf über Wasser halten. Und ich wünsche ihnen alles Glück der Welt, dass sie das schaffen. Im Fotobereich, wo wir bei Besuchern und Ausstellern eine sehr treue Community haben, wurde uns gesagt: ’Warten wir es einfach ab. Wir halten uns den Oktober-Termin frei und versuchen zusammen etwas zu machen. Und wenn verschoben oder abgesagt werden muss, dann ist es eben so.‘“

Die Kooperation mit Foto Leistenschneider ist eine gewachsene Partnerschaft auf Augenhöhe.“

Daniela Thies, Geschäftsführerin der P+A Photo Adventure GmbH

Wie hat Ihr Hauptsponsor Foto Leistenschneider, ein Händler der seine Läden lange nicht öffnen durfte, reagiert?

DANIELA THIES: „Die sind weiter im Boot. Ein Hauptsponsor wie Foto Leistenschneider ist natürlich mit ganz anderem finanziellen Commitment dabei, als ein kleiner Aussteller, der neun oder zwölf Quadratmeter Ausstellungsfläche bucht. Wir haben die Kooperation mit Foto Leistenschneider aber ja auch nicht erst seit gestern. Das ist eine gewachsene Partnerschaft auf Augenhöhe.“

Welche Änderungen zum bisherigen Konzept sind geplant?

DANIELA THIES: „Wir machen uns natürlich Gedanken über die Veranstaltung, über das Konzept und mögliche Ablauf-Alternativen. Gemeinsam mit der Location überlegen wir, wie man breitere Gänge schaffen kann, wie man ein Einbahnstraßen-System umsetzen kann. Wie kann das mit der Einhaltung der Abstandsregeln und der Hygienemaßnahmen funktionieren? Aber wenn wir am Ende feststellen, wir würden die Gesundheit aller Beteiligten  gefährden, dann werden wir die Veranstaltung nicht durchführen. Doch aus vorauseilendem Gehorsam oder nur weil keine hundertprozentige Planungssicherheit besteht abzusagen – das sind nicht wir, das passt nicht zu uns.“

Statt der Photo+Adventure gab es am ursprünglichen Termin nun das „Sommer Intermezzo“.

DANIELA THIES: „Genau. Und da hätte vor einigen Wochen auch noch jeder gesagt: Das kann nicht funktionieren, das könnt Ihr vergessen. Aber die Corona-Schutzverordnung wurde rechtzeitig gelockert, es passte alles. Besonders schön war es, zu sehen wie die Leute Rücksicht aufeinander genommen haben. Alle waren so froh, endlich mal wieder raus zu dürfen zum Fotografieren.“

Absagen kommt nicht infrage! Daniela Thies war bereits nach der „Generalprobe“ beim Sommer Intermezzo optimistisch, dass es mit der Photo+Adventure im Herbst klappen wird.
Absagen kommt nicht infrage! Daniela Thies war bereits nach der „Generalprobe“ beim Sommer Intermezzo optimistisch, dass es mit der Photo+Adventure im Herbst klappen wird.
Wie würde eine Photo+Adventure im Oktober unter Corona-Schutzmaßnahmen aussehen?

DANIELA THIES: Die aktuelle NRW-Corona-Schutzverordnung hat ja eine eigene Anlage speziell für die Ausrichtung von Messen und ähnlichen Veranstaltungen. Dadurch, dass wir schon seit Jahren ein Online-Buchungsverfahren haben und vor Ort die Tickets scannen, können wir genau sagen, wer welches Ticket gekauft hat und wer zu welchem Zeitpunkt in die Halle gegangen ist. In einem Termin mit dem Landschaftspark werden wir uns noch Gedanken über die Umsetzung konkreter Zugangsregelungen machen. Zudem gewährleistet die Halle, Eingang und Ausgang voneinander zu trennen. Die Einhaltung von Abstands- und Hygieneregeln sind ohnehin mittlerweile selbstverständlich geworden.

Welche inhaltlichen Veränderungen wird es geben?

DANIELA THIES: Wir haben immer einen Top-Act, der zum Fotografieren einlädt. Das wollen wir auch beibehalten. Darüber hinaus planen wir auch weiterhin mit Bühnenprogramm, einmal mit fotospezifischen Themen und mit einer ­Reisebühne. Da die Aussteller das Bühnenprogramm gestalten, wird es speziell bei den Reise­themen wohl Änderungen geben. Aber das können wir jetzt noch nicht absehen. Auch das Workshop- und ­Seminarprogramm ist weiterhin angedacht. Die Räumlichkeiten sind groß genug und wir werden die Teilnehmerzahlen entsprechend anpassen. 


Fotomotive in luftiger Höhe: Mit dem Klettergarten und dem 530 Meter langen Klettersteig „Via Ferrata Monte Thysso“ sind der Landschaftspark und die Photo+Adventure sichtbar „Outdoor“. (Foto: Photo+Adventure / Tina Umlauf)

Fotomotive in luftiger Höhe: Mit dem Klettergarten und dem 530 Meter langen Klettersteig „Via Ferrata Monte Thysso“ sind der Landschaftspark und die Photo+Adventure sichtbar „Outdoor“. (Foto: Photo+Adventure / Tina Umlauf)
Fürchten Sie, dass es ab 2021 mit der P+A, Zingst und der photokina im Frühsommer terminlich zu eng wird?

DANIELA THIES: Nein, eigentlich nicht. Die photokina als Weltleitmesse spielt ja ohnehin in einer anderen Liga, und mit den Zingstern sind wir eng befreundet. Es ist tatsächlich so, dass viele Aussteller in Zingst abbauen und eine oder zwei  Wochen später dann bei uns stehen. Da verabschiedet man sich dann mit: „Wir sehen uns nächste Woche in Duisburg!“

Also von Überangebot und Kannibalisierung keine Rede?

DANIELA THIES: Nein, überhaupt nicht. Ich finde es schön, dass sich die Festival-Landschaft hierzulande so toll entwickelt hat. Die verschiedenen Veranstaltungen sind alle räumlich so weit von einander entfernt und jede hat ihre Besonderheiten. Oberstdorf mit der Bergkulisse finde ich sehr charmant, Zingst mit dem Strand und der Bilderflut die abends am Meer stattfindet ganz großartig. Fürstenfeld und Wunderwelten nicht zu vergessen. Unsere Veranstaltung mit dem Industriecharme ist dann wieder etwas ganz anderes. Es ist so vielfältig geworden. Wir kennen uns alle untereinander – und ich glaube, dass wir alle viel davon haben, wenn dieses Konzept „Festival“ funktioniert. Das Erlebnis von Anfassen und Ausprobieren macht die Festivals so besonders.

Sie betonen das Erlebnis, den Festival-Charakter, Teil einer Community zu sein. Ist es das, was dem Zeitgeist entspricht und was die photokina vielleicht nicht mehr hin bekommt?

DANIELA THIES: Das sagen viele, aber ohne die photokina wäre das Thema Fotografie nie so groß geworden. Die Messe hat dafür einen unfassbaren Beitrag geleistet. Hätte es die photokina nicht gegeben, würde es auch keines unserer heutigen ­Festivals geben.

„Egal welches Konzept­ gewählt wird, um die Fotografie voranzutrei­ben – am Ende profitieren wir alle davon.“

Daniela Thies, Geschäftsführerin der P+A Photo Adventure GmbH
Vielleicht ist die Geschichte der klassischen „Fotomesse“ aber auch zu Ende erzählt?

DANIELA THIES: Vielleicht. Natürlich glaube ich an das Festival-Konzept, sonst würde ich ja kein Festival veranstalten. Aber ich ­würde uns allen wünschen, dass die photo­kina auch weiter besteht und die ­Leute da weiter hingehen. Eine klassische Messelocation hat nun mal zwangsläufig weniger Charme als der Strand von Zingst, die Berge von Oberstdorf oder ein altes Hüttenwerk. Ich möchte mich aber nicht mit dem Gedanken anfreunden, dass es die photokina nicht mehr gibt. Das täte mir in der Seele weh. Egal welches Konzept gewählt wird, um die Fotografie voranzutreiben – am Ende profitieren wir alle davon.

Vielen Dank für das Gespräch.

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Dieses Interview erschien zuerst in FOTOwirtschaft 06-07/2020.