Wo macht Erika Mustermann demnächst ihre Fotos für den Personalausweis? (Foto: BMI)
FOTOwirtschaft-Chefredakteur Andreas Ohlberger

„Houston, wir haben ein Problem.“ Diesen heute legendären Satz funkten die Astronauten der Mondmission Apollo 13 am 14. April 1970 an das Kontrollzentrum auf der Erde. Damals ging es um Leben und Tod der Besatzung, der gerade ein Tank mit Flüssigsauerstoff um die Ohren geflogen ist.

„Berlin, wir haben auch ein Problem“, möchte man heute als Notruf absetzen. Was ist passiert? Da erstellen Referenten im Bundesinnenministerium einen Gesetzesentwurf zur „Stärkung der Sicherheit im Pass- und Ausweiswesen“. Der Gedanke an sich ist gut und wichtig. Der im Entwurf vorgezeichnete Weg jedoch ist ein Fiasko.

Um Dokumentenfälschungen wirksamer entgegenzuwirken, so der Vorschlag, sollen Passbilder für Ausweisdokumente künftig nichtmehr im Fotofachhandel erstellt werden. Stattdessen sollen sie nur noch bei Antragstellung in der Passstelle, durch Beamte und unter Aufsicht angefertigt werden.

Und an dieser Stelle wird es allerdings kritisch. Denn auch hier geht es – nicht um Leben und Tod – um Existenzen, berufliche Existenzen. In Zeiten eines schwächelnden Kamera- und Zubehörgeschäfts sind Fotoarbeiten, allen zuvorderst das Passbildgeschäft, für viele Händler ein überlebenswichtiges Standbein. Natürlich hat Michael Gleich, Geschäftsführer der United Imaging Group, völlig recht, wenn er darauf hinweist, dass es vom Referentenentwurf bis zum Gesetz noch ein weiter Weg ist.

Doch es ist ein Weg, der überhaupt nicht gegangen, und sogar noch nicht einmal geplant werden müsste. Schließlich arbeitet die United Imaging Group als größte Fachhandelskooperation bereits seit geraumer Zeit an einem Konzept, das eine sichere, unterbrechungsfreie und einfache Bildübertragung an die Passbild-Ämter gewährleistet.

Hier sind Hersteller von Passbildstationen ebenso involviert wie Softwarehersteller. Außerdem ist auch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) ist mit im Boot. Besagtes BSI ist übrigens eine obere Bundesbehörde und steht unter Aufsicht des… Na? Klar doch, des Bundesinnenministeriums. Also des gleichen Ministeriums, aus dem auch der krude Referentenentwurf stammt.

„Berlin, wir haben ein Kommunikationsproblem.“ Vielleicht beim nächsten Mal einfach erst mal zum Telefonhörer greifen und miteinander reden, bevor man bei einen ganzen Handelszweig Zukunftsängste schürt. Das BSI ist übrigens ganz einfach unter der Rufnummer 0228/999582-0 zu erreichen.

Ihr verärgerter

Andreas Ohlberger
FOTOwirtschaft-Chefredakteur