Durch die Corona-Pandemie boomt der E-Commerce in Deutschland. Der Paketversand kommt häufig nicht mehr hinterher, wie eine aktuelle Auswertung von parcelLab belegt. (Foto: Artem Podrez/pexels.com)Durch die Corona-Pandemie boomt der E-Commerce in Deutschland. Der Paketversand kommt häufig nicht mehr hinterher, wie eine aktuelle Auswertung von parcelLab belegt. (Foto: Artem Podrez/pexels.com)

Die Liefergeschwindigkeit im deutschen Online-Handel nimmt kontinuierlich ab. In der Vorweihnachtszeit 2021 erreichte sie ihren absoluten Tiefpunkt.

Online-Kunden mussten 2021 länger auf ihre Pakete warten. Grund: Das verstärkte Bestellaufkommen in Folge der Corona-Pandemie. Eine Untersuchung des Münchner Spezialisten für Operations Experience Management, parcelLab, dokumentiert zum Teil erhebliche Verzögerungen beim Paketversand. Vor Beginn der Pandemie erfolgte der erste Zustellversuch noch bei rund 45 Prozent der Bestellungen innerhalb von 24 Stunden.

Corona und die Folgen für Handel und Logistik

Dann kam Corona mit Lockdowns, Ladenschließungen und Kontakteinschränkungen. Infolgedessen stieg die Zahl der Online-Käufe. Vom Ansturm kalt erwischt, erreichten im April 2020 nur noch 27,32 Prozent Lieferungen den Kunden innerhalb von 24 Stunden. Und offenbar schafften die Händler es nicht, die Logistik für das wachsende Volumen zu skalieren. Im Gegenteil: Die Anzahl an Bestellungen mit Zustellzeiten von bis zu 24 Stunden sank 2021 auf nun 18,7 Prozent.

Logistiker geraten durch steigenden Paketversand unter Druck

Im Gegenzug legte die Zahl der Bestellungen, die innerhalb von zwei Tagen zugestellt wurden, um 10,6 Prozent von 23,5 Prozent 2020 auf 26 Prozent 2021 zu. Der Anteil der Bestellungen, für deren Auslieferung die Händler drei Tage benötigten, wuchs gar um 20,5 Prozent auf 19,4 Prozent. Im Schnitt verschlechtere sich die durchschnittliche Zustellgeschwindigkeit beim Paketversand in Deutschland von 2,8 Tagen im Jahr 2020 auf 3,0 Tage im Jahr 2021.

Weihnachten 2021 bringt den Handel in Schwierigkeiten

Noch drastischer zeigt sich der Vergleich der Zustellzeiten im Vorweihnachtsgeschäft. Paketdienstleister lieferten 2020 noch 20-25 Prozent der Bestellungen innerhalb von 24 Stunden aus. In den Vergleichsmonaten 2021 waren es nur noch 4,2 bzw. 3,86 Prozent. Indes stieg die Zahl der Bestellungen, für die die Händler im November und Dezember 2021 zwei bzw. drei Tage bis zur Auslieferung brauchten, von 21,3 Prozent im Vorjahr auf 25,5 Prozent. Der Anteil an Bestellungen, der erst nach vier Tagen beim Kunden ankam, verdoppelte sich gut von 8,5 auf 17,9 Prozent.

Zahl der „Failed Attempts“ sinkt durch Home-Office

Eine Analyse der Probleme, die beim Paketversand entstehen können, zeigt hingegen gegenüber den Vorjahren ein vergleichsweise konstantes Bild. Am meisten macht den Händlern und Zustellern zu schaffen, dass Zustellungen scheitern, weil der Empfänger am Zustellort nicht anzutreffen ist. Dieser Wert hat sich allerdings – erklärbar durch die hohe Quote an Mitarbeitern im Home Office – gegenüber dem Jahr 2020 reduziert. Waren 2020 noch 53,4 von 100 Lieferproblemen sogenannte „Failed Attempts“, reduzierte sich der Wert auf 33,87 Prozent.

Mehr Bestellungen, mehr Irrläufer beim Paketversand

Infolge der größeren Anzahl an Bestellungen, blieben auch mehr Pakete buchstäblich auf der Strecke. So hat sich die Menge der Sendungen, die in die falschen Carrier-Depots geroutet wurden, verdoppelt. Auch die Anzahl der Sendungen, die irgendwo auf der Strecke zwischen Carrier und Endkunde hängen bleiben, ist gestiegen. 15,6 Prozent der Zustellprobleme entfallen inzwischen auf fehlenden Updates des Carriers beim Zustellprozess. Im Vorjahr betrug der Anteil noch 6,8 Prozent.

Die Zahl an Sendungen, welche die Lieferanten im Rahmen ihrer Arbeitszeit wegen Überlastung nicht zustellen konnten, ging 2021 gegenüber dem Vorjahr leicht zurück. Mit einer Ausnahme: In der Cyber Week vom 22. bis 26. Noivember legte dieser Wert erkennbar zu. Lag der durchschnittliche Anteil im Gesamtjahr 2021 bei 9,1 Prozent aller Zustellprobleme, kletterte der Wert an Black Friday und Cyber Monday auf 12,13 Prozent.

Längere Lieferzeiten erfordern transparente Kommunikation

„Angesichts der Tatsache, dass die Zustellzeiten sich verlangsamt haben, gewinnen Status-Mails über den aktuellen Status im Versandprozess an Bedeutung“, erklärt parcelLab-Mitgründer Anton Eder. Dies zeigt die Analyse der Öffnungsraten von Versandkommunikations-Mails, die im November und Dezember 2021 deutlich über denen im Vorjahreszeitraum liegen. Die höchsten Öffnungsraten verzeichneten demnach in der Vorweihnachtszeit 2021 Nachrichten über Zustellverzögerungen, gefolgt von der Information, dass die Sendung beim Carrier angemeldet wurde. Auch Informationen über gescheiterte Zustellversuche und die Nachricht, dass die Ware ins Zustellfahrzeug geladen wurde, stieß bei den Kunden auf sehr hohe Aufmerksamkeit.