Beim Foto-Vertrieb HapaTeam kam es zuletzt zu einem regelrechten Exitus. Prominente Marken wie ­Samyang und Tamrac wurden aus dem Sortiment ­genommen, das Portfolio ­drastisch ­verkleinert. Warum, erklärt Geschäftsführer Oliver Hadji im Interview. (Foto: HapaTeam)
Beim Foto-Vertrieb HapaTeam kam es zuletzt zu einem regelrechten Exitus. Prominente Marken wie Samyang und Tamrac wurden aus dem Sortiment genommen, das Portfolio drastisch verkleinert. Was steckt dahinter? Wir sprachen mit Geschäftsführer Oliver Hadji.

Herr Hadji, wie lief das Geschäft zu Jahresbeginn? Müssen wir uns Sorgen machen?
OLIVER HADJI: Wenn Sie unsere Branche meinen – JA! Wenn Sie speziell uns meinen – NEIN! Wir waren mit dem ersten Quartal sehr zufrieden. Alle unsere Änderungen haben exakt zu dem geführt, was wir uns davon versprochen haben.

HapaTeam hat gerade eine ganze Reihe prominenter Marken aus dem Sortiment genommen. Da brodelt schnell die Gerüchteküche…
HADJI: Ja, das ist doch auch immer ein wenig spannend, wenn sich etwas regt in einer Branche. Aber ernsthaft. Wir haben uns entschlossen, nach einer sehr, sehr langen Zeit der Trennung von Geschäftsführung und „Motorraum“ des Unternehmens, dies nun endlich zusammenzuführen. In diesem Prozess haben wir auch begonnen, unsere Lieferanten nach ihren Performances zu untersuchen. Bei dieser Analyse haben wir festgestellt, dass es sich bei einigen eher um Liebhaberei oder um das Festhalten an Traditionen als um eine wirtschaftliche und unternehmerische Entscheidung gehandelt hat, diese weiter zu behalten.

Verfolgen Sie mit den Wechseln im Sortiment eine grundsätzliche Neuausrichtung bei HapaTeam?
HADJI: Wir möchten wieder mehr unsere speziellen Fachkenntnisse in den Vordergrund stellen. Wenn Sie unser Verkaufsteam sehen, dann haben Sie es mit drei ehemaligen Profifotografen zu tun. Das ist ein Know-how, welches unersetzlich ist. Zusätzlich haben wir feststellen müssen, dass einige Marken, die wir abgegeben haben, zu viel Aufmerksamkeit für zu wenig Return of Invest bekamen. Im jetzigen Portfolio sehen wir eine sehr starke Top-Marken-Bildung und eine hohe Konzentration auf Optik, Licht und natürlich die Broadcast-Linie, die den sehr hohen Qualitätsanspruch sicherlich deutlich macht.

Oliver Hadji: „Es gibt Menschen, mit denen ich gerne weiter gearbeitet hätte“

Von GuraGear war zu hören, es gehe ihnen um eine Neuausrichtung der Europa-Distribution. Haben Sie sich deshalb von Tamrac getrennt?
HADJI: Nein. Wir haben unter exakt den Gesichtspunkten, die ich ja bereits beschrieben habe, eine Betrachtung angestellt und sind zu dem klaren Entschluss gekommen, dass Tamrac keinen Platz mehr bei uns hat. Wir haben dann eine Empfehlung ausgesprochen, der Tamrac dann auch gefolgt ist.

Auch in Stative der Marke 3LeggedThing hatten Sie große Hoffnungen gesetzt. Was ist da konkret passiert?
HADJI: (lacht) Nichts! Tolle Stative, super lustiger Typ der Danny (Danny Lenihan, Gründer und CEO von 3LeggedThing, d. Red.). Aber das schien nicht das zu sein, was unsere Händler brauchten, um signifikant Umsatz zu gestalten.

Mit dem Weggang von Samyang verlieren Sie einen Großteil des Sortiments an Objektiven für Sony E-Mount. Wie kam es dazu?
HADJI: Es gibt Menschen, mit denen ich gerne weiter gearbeitet hätte. Das ist hier absolut nicht der Fall. Selten habe ich eine unzuverlässigere und unaufrichtigere Firma erlebt. Die haben den Bogen komplett überspannt. So wie ich es sehe, tun sie das auch weiterhin. Samyang hat zweifelsfrei interessante Produkte im Sortiment. Dennoch haben wir gesehen, dass der Zenit überschritten war.

Jetzt ist der Zeitpunkt für Gimbals

Neu bei HapaTeam sind die Gimbals von FeiyuTech und Akkus und Ladegeräte von Berenstargh. Was erhoffen Sie sich von den Herstellern konkret?
HADJI: Gimbals sind eine der spannendsten Produktgruppen im Moment. Wir sind mit Feiyutech seit über zwei Jahren im Austausch und haben seither einiges erreicht. Die Innovationskraft und die Begeisterung und Intensität, mit der FeiyuTech seine Arbeit macht, sind faszinierend. Sie haben starke Produkte, ein erstaunliches Verständnis für Marketing und einen Ausblick in die Zukunft. Berenstargh ist eine totale Untermauerung des Statements von extrem hoher Qualität und Professionalität. Diese Produkte spielen in der Meisterklasse und sind eine echte Bereicherung für uns.

Das Thema „Gimbals“ nimmt gerade erst richtig Fahrt auf. Ist jetzt genau der richtige Zeitpunkt – auch für den Fachhandel –, um da miteinzusteigen?
HADJI: Ja. Viele unserer Händler sind ja bereits dabei und machen einen sehr guten Job. Wir haben in Österreich angefangen, und mir scheint fast, als wenn die Händler dort – in manchen Fällen – einen Schritt weiter sind. Gimbals eröffnen, wie Drohnen ja auch, einen Zugang zu Kundschaft, die auch abseits der klassischen Fotografie zu finden ist. Es ist meiner Ansicht nach der erste wirkliche Schritt, die Handyfotografinnen und Fotografen ins Fotogeschäft zu locken.

Dieses Interview erschien in FOTOwirtschaft 06/2018.