Die Retro-Welle rollt weiter über den Markt für edle Kameras. Qualität wie in alten Zeiten, solide Handarbeit, die Abkehr von der Massenware, Erinnerungen an die Jugend – all diese Attribute machen das Fotografieren im Nostalgie-Look so faszinierend. Die Technik ist dabei auf dem neuesten Stand.

Höchste Qualität trifft Retro-Look. Immer mehr Kamera-Hersteller orientieren sich beim Design ihrer neuen Kameras am Vintage-Charme. High-Tech muss und soll sogar oft nicht mehr nach High-Tech aussehen. Die Sofortbild-Kameras mit denen allen voran Fujifilm weltweit die nostalgischen Fotofans beglückt, sind Paradebeispiel für diese Entwicklung.
Doch auch die neuesten DSLR-Kameras erscheinen mittlerweile häufig im Retro-Look. Die Ästhetik dieser Kameras ist zurückhaltend und nicht darauf ausgelegt, nur für den Moment zu gefallen. Sie bieten, über das Technische hinaus, auch visuelles Vergnügen. Sie sind im besten Sinne auch elegante Accessoires, praktisch über der Schulter zu tragen oder in der Manteltasche zu verstauen. Selbst wenn in ein paar Monaten ein neues Modell mit einer noch feineren Bildauflösung auf den Markt kommt, sollte dies kaum ein Grund sein, das liebgewonnene Spielzeug gleich fallen zu lassen.

Hightech auf alt gemacht: Nikons Df
(Foto:Nikon)
Nikon df

Ganz frisch auf dem Markt für Retro-Kameras kommt Ende November die Nikon Df, die an das Design legendärer Kleinbildkameras aus dem Land der aufgehenden Sonne erinnert. In ihr arbeitet statt klassischer Analog-Technik jedoch professionelle DSLR-Technologie. Somit ist sie die erste digitale Spiegelreflex-Kamera im Vintage-Look. Die Df ist mit demselben Vollformat-CMOS-Bildsensor wie das Nikon-Spitzenmodell D4 ausgestattet und soll einen erstklassigen Dynamikumfang sowie eine phänomenale Lichtempfindlichkeit bis in sechsstellige ISO-Sphären bieten. Der Vintage-Spaß schlägt allerdings mit rund 3000 Euro zu Buche – ein Objektiv ist bei der Nikon schon dabei.

 

Fujifilm startete Retro-Trend

Einer der ersten, die bewusst auf den Retro-Trend gesetzt haben, war jedoch Fujifilm. Bei der FinePix X100 trifft edle Haptik auf beste Technik. Die 2011 präsentierte X100 mit APS-C-Sensor und einer Festbrennweite hat sich eine große Fan-Gemeinde erobert. Das Besondere: In ihrem Messucher-Retro-Stil ähnelt sie klassischen Leica-Kameras. Seitdem ist die Firma, die zuvor nur Kameras für das Schnappschuss-Knipsen hergestellt hatten, dem Look treu geblieben. Die erste digitale System-Kamera des Herstellers – die X-Pro1 – überzeugte auch professionelle Fotografen: Sie attestierten dem 1200-Euro-Apparat eine fantastische Bildqualität auf dem Level vollformatiger Profi-Kameras. Neuester Retro-Streich von Fujifilm ist die X-M1 mit OLED-Sucher, 16 Megapixel-CMOS-Sensor und WLAN-Modul. Für rund 680 Euro schießt sie ebenso überragende Fotos wie die große Schwester X-Pro1. Dass sich Kameras im Retro-Look gut verkaufen, hat sich im Land der aufgehenden Sonne auch bei Olympus rumgesprochen. Das japanische Unternehmen stellt bereits seit 1936 Foto-Apparate her, 1970 sorgte der Hersteller dann für eine kleine Sensation: Die OM-1 war die bis dahin leichteste und kleinste 35-mm-Spiegelreflex-Kamera der Welt. Das neueste Modell, die Olympus Pen E-P5, könnte auf den ersten Blick aus dieser Zeit stammen. Sie besteht größtenteils aus Metall und wie bei alten Analog-Modellen steht auf dem silbernen Material in Versalien “Olympus Pen”. Ein Blick auf das Datenblatt holt Nostalgiker aber sofort in die Gegenwart zurück: So besitzt die Pen E-P5 ein WLAN-Modul, um Fotos drahtlos auf den PC oder das Smartphone zu übertragen, verfügt über einen leistungsfähigen Micro-Four-Third-Sensor, der rauscharme Bilder noch bis ISO 3200 ISO aufnehmen soll sowie ein schwenkbares Display mit hoher Auflösung von 345.666 Pixeln. Als System-Kamera haben Fotografen mit der Pen E-P5 dank zahlreicher Wechselobjektive auch genug kreative Möglichkeiten. Mit rund 1000 Euro ohne Objektiv muss der Retro-Look jedoch recht teuer bezahlt werden.

Ab in die 70er

Optisch in den Siebzigern verortet ist auch die spiegellose System-Kamera Panasonic Lumix GX7. Ihr Look ähnelt stark der Retro-Olympus: Schwarze, metallische Elemente dominieren neben edel wirkenden silberfarbenen Materialen den Kamera-Body. Erst die technischen Features schlagen die Brücke zur Gegenwart: Dabei gehört ein hochmoderner 16-Megapixel-MOS-Sensor zum technischen Highlight. Optimierte Mikrolinsen vor den einzelnen Pixeln sollen eine überragende Bildqualität liefern. Desweiteren punktet die Lumix GX7 mit einem Bildstabilisator mittels beweglichem Sensor, der mit allen Objektiven zurechtkommt. Durch einen speziellen Adapter kann die Lumix sogar hochwertige Gläser des Kamera-Herstellers Leica verwenden. Ohne Objektiv kostet das gute Stück rund 1000 Euro. Fans exklusiver Kameras im Nostalgie-Stil finden bei Sony aktuell auch ein ganz besonderes Modell: Die RX1 ist mit 500 Gramm die bisher leichteste und kleinste digitale Kamera mit besonders leistungsfähigem Vollformat-Sensor. Normalerweise sind vergleichbare Profi-Modelle rund dreimal so groß und schwer. Die Kamera dürfte allerdings nur ambitionierte Fotografen interessieren, die auf den detailverliebten Retro-Look schwören und sich nicht am festverbauten Objektiv sowie dem Preis stören. Die Sony RX1 kostet immerhin stolze 3200 Euro. Wer nicht so tief in die Tasche greifen möchte, aber eine extrem kompakte Retro-Kamera sucht, sollte sich die Ricoh GR für um die 700 Euro genauer ansehen. Der 16-Megapixel-Apparat mit fest verbauter Weitwinkel-Festbrennweite wiegt gerade mal 215 Gramm – ist damit also ideal auf Reisen. Tests bescheinigen dem Retro-Zwerg zudem eine herausragende Bildqualität. Eine Sonderstellung nimmt der legendäre deutsche Hersteller Leica ein, der nicht bemüht nostalgisch sein muss, weil er sowieso seit sechzig Jahren optisch weitgehend unveränderte Modelle produziert. Das zeitlose Design und die hohe Qualität made in Germany machen diese deshalb so begehrt.