Wie mirrorless wird die Zukunft von Kamerahersteller Canon? Darüber wird im Netz derzeit heftig spekuliert. (Fotos: Canon, Collage RFW)
Setzt Kamerahersteller Canon auf „mirrorless“? Die Online-Plattform canonrumours.com berichtet unter Berufung auf Quellen aus dem Unternehmensumfeld, dass die Veröffentlichung von zwei neuen leistungsstarken spiegellosen Systemkameras Anfang 2019 bevorsteht.

Es war im Oktober 2012, als Canon die EOS M auf den Markt brachte. M  –  wie  Mirrorless,  spiegellos. Ein Begriff, der so gar nicht zum Marktführer im Bereich der digitalen Spiegelreflexfotografie passen wollte. Zweieinhalb Jahre gingen ins Land, bis ein überarbeitetes Nachfolgemodell, die EOS M3, Marktreife erlangte, und bereits im Oktober 2015 folgte mit der EOS M10 eine weitere Systemkamera. Jetzt drehte der Kamerariese auf, die Innovationszyklen wurden kürzer. Die EOS M5 erscheint 2016, M6, M100 in 2017. Im Frühjahr 2018 folgte die EOS M50.

Mutete die Entwicklung der ersten Spiegellosen von Canon noch wie ein Feigenblatt an, das das Desinteresse an dieser Technologie verdecken sollte, kommt jetzt scheinbar Zug in die Entwicklung. Es wirkt fast so, als versuche Canon hier lang Versäumtes im Schnelldurchlauf aufzuholen.

Wendepunkt in der Strategie von Canon?

Die EOS M50 markiert hier möglicherweise einen Wendepunkt in der Strategie des Kameraherstellers. Die neueste Ergänzung der EOS-M-Serie ist die erste spiegellose Canon-Systemkamera für den Dreh von Videos in 4K. Sie bietet darüber hinaus einen dreh- und schwenkbaren Touchscreen und den neuesten DIGIC-8-Bildprozessor von Canon. Integriertes WLAN und Bluetooth sorgen für die heute selbstverständliche kabellose Konnektivität.

Canon ist auf Augenhöhe mit der Konkurrenz, die früher den Mut aufgebracht hat, auf spiegellose Systeme zu setzen. Aber ist Augenhöhe für ein Unternehmen mit dieser Historie der passende Anspruch? Gilt es nicht vielmehr, auch im spiegellosen Bereich das zu erreichen, was man bei Spiegelreflex über Jahrzehnte war und bis heute ist, nämlich die weltweite Nummer 1?

Gerüchteküche spekuliert über Vollformat-Neuheiten

Hinweise auf die mögliche Antwort liefert ein Bericht des für gewöhnlich gut unterrichteten    Internet-Forums   www.canonrumors.com. Das  Online-Medium   berichtet, dass Canon in der ersten Jahreshälfte 2019 zwei  spiegellose  Full-Frame-Kameras präsentieren wird. Darunter werde sich dann auch das zukünftige Topmodell der neuen Serie befinden. Dieses soll einen 30,4-Megapixel-Sensor   enthalten, der so oder in ähnlicher Form bereits in der EOS 5D Mark IV zum Einsatz kommt.

„Sexy Lösung“ beim Objektiv-Anschluss angekündigt

Ferner, berichtet canonrumors.com, werden beide Kameras – nicht überraschend – über die Fähigkeit verfügen, 4K-Videos aufzuzeichnen. Über andere Dinge wie den Cropfaktor gibt es noch keine Informationen. Gleiches gilt für die entscheidende Frage des Objektiv-Anschlusses. Hier tun sich die Quellen mit einer einheitlichen Antwort, ob es einen neuen Anschluss geben wird oder Canon auch für die Spiegellosen weiter auf das EF-Bajonett baut, schwer. Auch eine Adapterlösung, wie sie Konkurrent Nikon umsetzt, kann nicht ausgeschlossen werden.

Objektiv-Vielfalt weiterhin nutzbar machen

Ein Insider berichtet canonrumors.com lediglich von einer „sexy Lösung“ für das Problem. Davon, dass Canon den Spiegel direkt beerdigt,  sollte   niemand   ausgehen. Zumindest nicht kurz- oder mittelfristig. Bewahrheitet sich aber, was derzeit in der Gerüchteküche spekuliert wird, könnte Canon in Zeiten sinkender DSLR-Absätze alsbald ein Befreiungsschlag gelingen. Erst recht, wenn es erfolgreich ist, die große Vielfalt vorhandener Objektive mit EF-Bajonett für die neuen Mirrorless-Systeme nutzbar zu machen. Dies würde einer spiegellosen Zukunft fraglos in die Karten spielen und Canon gegenüber der Konkurrenz einen nicht von der Hand zu weisenden Vorteil verschaffen.