Das Bild lebt: Mit Smartphones werden heute weltweit die meisten Fotos geschossen. Foto ist so beliebt und so wichtig wie nie – nur läuft der Boom vollständig an der Imaging-Industrie und deren Leitmesse, der photokina, vorbei. (Foto: © Koelnmesse GmbH, Maxi Uellendahl)

Das Bild lebt: Mit Smartphones werden heute weltweit die meisten Fotos geschossen. Foto ist so beliebt und so wichtig wie nie – nur läuft der Boom an der Kamera-Industrie und deren Leitmesse, der photokina, weitgehend vorbei. (Foto: © Koelnmesse GmbH, Maxi Uellendahl)

Die Koelnmesse hat erste, ernüchternde Details zur photokina 2020 preisgegeben. Weniger Aussteller, weniger Hallen. Die Marktentwicklung geht auch an der Leitmesse der Branche nicht spurlos vorbei.

„Mit Blick auf die Marktentwicklung, sowie Sanierungs- und Baumaßnahmen auf dem Gelände der Koelnmesse gestaltet sich die Hallenbelegung 2020 im Vergleich zu 2018 verändert: Basierend auf dem aktuellen Stand der Ausstelleranmeldungen und Prognosen für die kommenden Wochen findet die photokina in den Hallen 3.1, 3.2, 4.1, 4.2 und 5.2 statt.“

So steht es in einer Pressemitteilung der Koelnmesse, die die Erkenntnisse der internationalen Pressekonferenz in Amsterdam zusammenfasst. Die photokina belegt in diesem Jahr nur noch 2,5 Hallen! 2018 war die Messe schon klein, da waren es immerhin noch 4,5 Hallen… Und das war schon kein Vergleich zu früheren Zeiten

Die Anzahl der Messehallen bei der photokina 2020 hat sich im Vergleich zu 2018 fast halbiert. (Bild: koelnmesse)

Aussteller-Aderlass vs. Fotoboom

„Das Bild lebt“, schreibt die Messe in der Überschrift der Pressemitteilung. Das Bild vielleicht, aber wie lang lebt die photokina noch? Ich befürchte, man kann im Mai die ganze Messe an einem halben Tag erleben. Wenn man die Stände der chinesischen Zulieferer  – so sie wegen des Corona-Virus überhaupt anreisen dürfen – weglässt, geht’s sogar noch schneller.

„Noch nie wurden mehr Fotos gemacht, noch nie waren mehr Menschen Fotograf und noch nie haben sich mehr Menschen Gedanken darüber gemacht, wie sie Fotos besser inszenieren können, als heute.“ Alles richtig, dem Smartphone sei Dank. Aber kommen Huawei oder Xiaomi oder Samsung zur photokina? Vermutlich nicht. Die Kameras in den Huawei-Handys sind „co-engineered by Leica“, aber nicht einmal mehr Leica ist im Mai in Köln dabei.

Neuauflage 2021 im Gürzenich?

Olympus auch nicht. Kein Olympus Playground (2018 eine komplette Halle), und auch sonst nix von Olympus. Auch kein Nikon-Stand. Und vermutlich machen Panasonic und Fujifilm auch nicht wieder 2.000qm Bretterwände. Hoffentlich bringt Fujifilm vor der Messe noch eine neue Instax raus, ansonsten droht Totentanz.

Zwischendrin dann Rückzugsgefechte: „Messen sind letztendlich Produkte, die kontinuierliche Anpassung benötigen oder manchmal sogar eine Neuauflage, damit sie den Bedürfnissen des Marktes und der Kunden gerecht werden.“

„Kölns gute Stube, der Gürzenich, bietet 2.500 qm Ausstellungsfläche. (Foto: koelnkongress)

Ich hatte dazu im vergangenen Jahr im FOTOwirtschaft-Editorial einmal geschrieben: 2021 gibt’s die photokina dann Gürzenich. Der eine oder andere kennt die Location in der Kölner Innenstadt vielleicht von den dort für das Fernsehen aufgezeichneten Karnevalssitzungen. „Eine einzigartige Verbindung von Tradition und Moderne – Technik perfekt, Tradition inklusive“, heißt es beim Betreiber Koelnkongress. Zum Gürzenich. Passt aber irgendwie auch zur photokina.

Wir sehen uns dann 2021 auf eine „kalte Ente“ #weinzwang.

Ihr

Andreas Ohlberger

FOTOwirtschaft-Chefredakteur