PHOTOPIA-Macher Bernd Aufderheide ist seit Januar 2004 Geschäftsführer der Hamburg Messe und übernahm im April 2007 den Vorsitz der Geschäftsführung. (Foto: Hamburg Messe/Michael Zapf)
Bei Fotofestivals hat die Industrie ­einen direkten Draht zum Endverbraucher. Was bietet PHOTOPIA in dieser Hinsicht?

Die Grenze zwischen B2C und B2B hat sich bei Messen in den letzten Jahren schon ein Stück weit verschoben bzw. ist fließend geworden. Deshalb haben wir uns gefragt, wie wir das Kind nennen wollen. Wir haben hier das Ziel, uns mittelfristig – und damit meine ich in drei bis vier Jahren – zu einer europäischen Plattform zu entwickeln. Und das ist der Unterschied zu den klassischen Fotofestivals. Wir wollen eine Plattform sein, welche die Zielgruppen auf eine spannende und zeitgemäße Art und Weise zusammenbringt.

Wie wollen Sie das konkret umsetzen?

Dafür haben wir einen Dreiklang erdacht. Da ist zum einen PHOTOPIA Summit. Dahinter verbirgt sich das, was in den Messehallen gezeigt wird. Da wird ­Action sein, da werden die ausstellenden Unternehmen sein, aber auch zum Beispiel eine Fotoausstellung entlang der Glasflächen unserer B-Hallen. Hier haben wir eine 200 Meter lange Fläche. Dort werden wir eine öffentliche Galerie installieren, die man von außen im Vorbeigehen anschauen kann. Der zweite Baustein ist PHOTOPIA City. Da wollen wir die Möglichkeiten nutzen, welche die Stadt Hamburg bietet.

Als da wären?

Dazu gehört das Reeperbahn Festival, aber ganz grundsätzlich geht es um die Bespielung des städtischen Raumes. Elbphilharmonie und Hafen sind ja beispielsweise per se schon sehr spannende Fotomotive. Wir wollen für die Aussteller Photowalks organisieren, die sie wiederum ihren Kunden anbieten können. Der dritte Baustein, photopia 365, wird dazu dienen, die Community das ganze Jahr über – bis zum nächsten Highlight PHOTOPIA – digital zusammenzubringen und zusammenzuhalten.

Das Reeperbahn Festival mit internationaler Strahlkraft, hier die Bühne am Millerntorstadion des FC St. Pauli auf dem Heiligengeistfeld, findet parallel zu PHOTOPIA statt. (Foto: Fynn Freund)
Das Reeperbahn Festival mit internationaler Strahlkraft, hier die Bühne am Millerntorstadion des FC St. Pauli auf dem Heiligengeistfeld, findet parallel zu PHOTOPIA statt. (Foto: Fynn Freund)
Der Photoindustrie-Verband (PIV) wird bei PHOTOPIA mit im Boot sein. ­Hatten Sie darauf insgeheim schon von vornherein spekuliert?

Zunächst einmal sind wir sehr froh, den Photoindustrie-Verband im Boot zu haben, weil wir dadurch auch ­einen ­Kanal in die Industrie hinein haben. Infolgedessen können wir die Aspekte, die es sonst immer nur einzeln gibt – Plattform, Fotofestival und Messe – sinnhaft zusammenführen. Und das ist eigentlich die Idee hinter PHOTOPIA. Durch die positive Resonanz, die wir bislang erfahren haben, denken wir, dass dies der richtige Weg ist. Aber: Da müssen sich alle Beteiligten auch erst dran gewöhnen und sich darauf einlassen. Und das passiert gerade.

Welche Zugeständnisse machen Sie der Industrie, die ja eine Plattform sucht, um ihre Produkte zu zeigen?

Wir haben den Photoindustrie-Verband sehr früh darüber in Kenntnis gesetzt, was wir vorhaben. Die Mitglieder des Verbandes sind ein wichtiger Teil der Community. Deswegen war eigentlich von vorne herein klar, dass wir alle mit ins Boot holen wollen, die von diesem neuen Konzept etwas Positives erwarten können. Es hat viele Diskussionen gegeben. Und ich kann mir auch vorstellen – ohne dass ich da jetzt für den Photoindustrie-Verband sprechen möchte: An der Entscheidung gegen die photokina hatte die Industrie verständlicherweise lange zu knabbern.

Wie interaktiv wird der Messe-Teil gestaltet? Wird es ein klassisches ­Anschauen von Stand zu Stand oder eher ein festivalmäßiges Ausleihen und Ausprobieren?

Viele Unternehmen haben schon zugesagt, dass sie Kameras für Photowalks zur Verfügung stellen werden. Da werden sicherlich auch geführte Touren dabei sein, damit der Besucher auch alle Ziele wirklich findet. Wir wollen aber auch in den Messehallen selber Anreize schaffen, sich dort aufzuhalten, zu fotografieren. Ob das dann mit der Kamera eines Ausstellers, mit der eigenen Ausrüstung oder mit dem Smartphone ist, bleibt dem Besucher überlassen.

200 Meter Glasfläche an den B-Hallen der Hamburg Messe ­werden bei PHOTOPIA zu einer öffentlichen Galerie. Im Inneren sorgen an die hundert 40-Fuß-Seecontainer für hanseatisches Flair. (Foto: Bertram Solcher)
200 Meter Glasfläche an den B-Hallen der Hamburg Messe ­werden bei PHOTOPIA zu einer öffentlichen Galerie. Im Inneren sorgen an die hundert 40-Fuß-Seecontainer für hanseatisches Flair. (Foto: Bertram Solcher)
Gibt es darüber hinaus so etwas wie einen USP der PHOTOPIA?

Wir wollen in den Hallen Hamburg-­typisch auftreten. Als wichtiges Stilelement – auch für die Aussteller – werden wir zum Beispiel an die hundert 40-Fuß-Seecontainer einbringen, die zur Ausstellung oder als Projektionsflächen genutzt werden können. Wir werden zwei Bühnen haben, auf denen wir mit Influencern, Fotografen und Musik arbeiten. Insgesamt hat PHOTOPIA wenig mit dem Modell „klassische Messe“ zu tun. Es wird dadurch auch eine gewisse Asymmetrie geben, um den Besuchern und den Ausstellern jederzeit etwas Neues bieten zu können.

Niemand kann sagen, wie sich die Pandemie entwickelt. Wie gehen Sie mit diesem unwägbaren Risiko um?

Es müsste eigentlich durch die Impfungen nach dem Sommer erheblich besser sein als jetzt. Sodass man ­irgendwann im Sommer auch einschätzen kann, was möglich sein wird und was nicht. Man muss halt einen Zeitpunkt haben, an dem man entscheidet, ob man die physische Veranstaltung macht oder nicht. Denn sonst entstehen irgendwann Kosten, die man nicht zurückdrehen kann.

Wann wäre dieser Zeitpunkt für ­PHOTOPIA?

Definitiv zu Beginn des Sommers, ­irgendwann im Juli. Dann wird man auch die Pandemie-Situation noch einmal bewerten. Ich gehe Stand jetzt davon aus, dass PHOTOPIA stattfinden wird und wir weitgehend uneingeschränkt durchführen können.

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