Guido Jacobs, Country Director Imaging Technologies & Communications Group DACH bei Canon stellt sich im Interview den Fragen von FOTOwirtwschaft. (Foto: Canon)Guido Jacobs, Country Director Imaging Technologies & Communications Group DACH bei Canon stellt sich im Interview den Fragen von FOTOwirtwschaft. (Foto: Canon)

Im Interview mit FOTOwirtschaft blickt Guido Jacobs, Country Director Imaging Technologies & Communications Group DACH bei Canon auf ein sehr spezielles Jahr 2021 zurück.

Guido Jacobs, Country Director Imaging Technologies & Communications Group DACH bei Canon steht FOTOwirtwschaft Rede und Antwort. Im Interview zieht er ein Resümee für 2021 und gibt überdies Einblicke, welche Hardware-Trends Canon für 2022 ausgemacht hat und was im kommenden Jahr sonst noch wichtig wird.

Herr Jacobs, in Bezug auf die Corona-Pandemie zum Einstieg direkt einmal die Frage, wie sich die Lage beim wichtigsten Imaging Hersteller darstellt. Wie ist Canon durch das zweite Corona-Jahr gekommen?

Guido Jacobs: Wie alle Hersteller über diverse Branchen hinweg, waren auch wir von logistischen Herausforderungen betroffen. Die machten sich im Zuge der Pandemie vor allem in den Bereichen Produktion und Zulieferung, bemerkbar. Diese spüren wir in einigen Bereichen unseres Produktportfolios stärker als in anderen. Trotz aller Herausforderungen konnten wir unsere Innovationen im Markt prominent platzieren und auch Neuvorstellungen wie geplant durchführen. Darauf sind wir sind stolz.

Wie fällt Ihr Resümee für 2021 aus?

Unser Resümee ist deshalb durchaus positiv. Auch das Feedback unserer Kunden zu den Neuheiten, die wir dieses Jahr vorgestellt haben ist mehr als zufriedenstellend. Hier ist allen voran die EOS R3 zu nennen. Um die Wünsche unserer Partner und Kunden zu erfüllen, bleiben wir in engem Austausch mit unseren Logistikverantwortlichen.

Launch der EOS R3 war das Highlight 2021

Sie haben im vergangenen Jahr das Canon-Portfolio um einige neue Produkte erweitert. Was waren aus Ihrer Sicht die Highlights im Jahr 2021?

Es ist keine Überraschung, dass wir besonders stolz auf den Launch der EOS R3 sind. Die durften wir im September als neue Highend-CSC-Kamera für Foto und Video einführen. Wir konnten unsere neue Profi-Kamera zudem auf der Photopia in Hamburg direkt der breiten Öffentlichkeit vorstellen. Es ist uns wichtig, unsere Neuheiten live zu präsentieren. In Hamburg hatten alle Interessierten die Chance, das Produkt an unserem Stand selbst zu testen.

Was waren die weiteren Höhepunkte aus Sicht von Canon bei der Photopia Hamburg?

Auf dieser Veranstaltung unser komplettes Portfolio präsentieren zu können, war natürlich ebenfalls ein besonderes Highlight. Hier konnten wir zeigen, dass wir die Bereiche Fotografie und Imaging im Allgemeinen stetig weiterentwickeln. Dazu zählt u.a. das Drucken, die andere Seite der Fotografie. Genauso aber auch neue Konzepte für Endkonsumenten (bspw. unsere neue PowerShot Px) oder professionelle Anwendungsfelder. Wir sehen zudem, dass es auch noch Bereiche gibt, die stark vom Innovationspotenzial unserer Marke und von Imaging im Allgemeinen profitieren können.

Canon nimmt Virtual Reality stärker ins Visier

Welche Bereiche meinen Sie da konkret?

Ein Beispiel dafür ist das Segment rund um Virtual Reality. Daher haben wir dieses Jahr auch den Schritt gemacht, als erster Hersteller, ein spezielles Objektiv, das RF 5.2mm F2.8 DUAL FISHEYE, für die Produktion von VR-Inhalten rauszubringen. Damit können wir ein Objektiv für Virtual Reality anbieten, das neue kreative Aufnahmemöglichkeiten bietet und den Prozess und die Postproduktion von VR180-Inhalten deutlich vereinfacht. Hier wird deutlich, welche tragende Rolle Imaging in zukunftweisenden Bereichen besitzt.

Die Corona-Pandemie kann definitiv als Katalysator der Digitalisierung betrachtet werden und somit als Treiber eines sich wandelnden Marktes. Doch welche Auswirkungen hat das auf z.B. den Online-Handel?

Natürlich. Die Auswirkungen der Pandemie sehen wir deutlich. Beispielsweise stieg der Anteil von CE/Elektro am gesamten Onlinehandel in Deutschland von 2019 auf 2020 von 33,7 Prozent auf knapp 39 Prozent des Gesamtumsatzes. Das belegt der Online-Monitor des Handelsverbands Deutschland (HDE). Auf der anderen Seite vertrauen Konsumenten laut einer Umfrage des PIV und der GfK weiterhin dem stationären Handel. Insbesondere im Bereich Systemkameras planten rund 43 Prozent der Menschen mit Kaufabsicht den Produkterwerb vor Ort. Daher wird der Fachhandel für Canon auch weiterhin eine zentrale und tragende Rolle spielen.

Guido Jacobs: „Der Fachhandel wird für Canon auch weiterhin eine zentrale Rolle spielen.“

Welche Perspektiven ergeben sich für den Fachhandel?

Der Markt wird sich weiter zu einem Spezialisten-Markt entwickeln, das heißt die Endkunden werden hohe Ansprüche an Beratung, Präsentation und Services stellen. Ein reiner einmaliger Produktverkauf wird noch stärker in den Hintergrund treten und stattdessen die langfristige Endkundenbeziehung im Mittelpunkt stehen. Kunden werden dort einkaufen, wo sie ganzheitlich in ihren Bedürfnissen verstanden werden. Das heißt konkret: 360-Grad-Angebote zu schaffen – über ein vollständiges Sortiment und eine exzellente Beratung, diverse Zahlungsmethoden, Finanzierungs- und Leasing-Angebote bis hin zu Trainings, Workshops, Leihstellungen, Events etc.

Wie unterstützt Canon seine Partner bei dieser Entwicklung?

Wir setzen auf innovatives Retail Marketing. Wir möchten den Fachhandel so gut es geht unterstützen. Denn neben dem einmaligen Produktverkauf geht es besonders darum, die Bedürfnisse der Endkunden bestmöglich zu treffen und zufrieden zu stellen. So kann der Handel beispielsweise durch die Besetzung einer Nische punkten. Aber darüber hinaus auch durch breit gefächerte Beratungsangebote, Finanzierungsmöglichkeiten, Leihstellungen, Workshops und mehr.

Guido Jacobs rechnet mit steigender Relevanz von Video und Bewegtbild

Diese Möglichkeiten wird sicherlich nicht jeder Fotofachhändler bieten können.

Darum bestärken wir unsere Partner in der individuellen Geschäftsentwicklung und sehen unsere Rolle hier facettenreicher als die des bloßen Herstellers. Wir stehen bei allen Fragen rund um die Angebotsentwicklung jederzeit zur Verfügung. Ganz konkret haben wir schon im vergangenen Jahr wieder VIP Tables und Events mit dem Fachhandel umsetzen können. Das freut uns sehr. Darüber hinaus sehen wir uns auch als Unterstützer der Händler in Sachen Digitales Marketing. Hierbei supporten wir unsere Partner durch die Bereitstellung von Content, Marketing- oder Promotionmaßnahmen. Wir erstellen stets eine Vielzahl von Assets, die entsprechend von Kunden und Händlern auf ihren Kanälen genutzt werden können.

Was sind denn aus Ihrer Sicht die Foto- und Imaging-Trends der kommenden Jahre – natürlich speziell mit Blick auf 2022?

Wenn uns die Pandemie eine Sache verdeutlicht hat, dann, dass neben einer gesteigerten Nachfrage nach Printing-Lösungen vor allem die Relevanz von Video und Bewegtbild weiter steigen wird. Imaging-Lösungen haben in Zeiten von Lockdown und Home Office an Bedeutung gewonnen. Gleichzeitig haben sie uns Möglichkeiten aufgezeigt, mit den Herausforderungen der Pandemie umzugehen. Sowohl im privaten als auch im beruflichen Kontext wurden neue kommunikative Anwendungen geschaffen. Wir sind uns sicher, dass diese Entwicklungen hier nicht aufhören werden. Neben den klassischen TV- und Videoproduktionen werden immer mehr Streaming-Inhalte dazukommen. Hierzu gehört etwa das Streaming von Hochzeiten oder Gottesdiensten, sowie digitale Bildungsangebote aller Art.

Innovativ, state of the art und zukunftsweisend – Weiterentwicklung der EOS R Reihe

Der Fokus bei der Kameraentwicklung dürfte vor allem auf der EOS R Reihe liegen. Wie geht es dort weiter?

Konkret werden können wir an dieser Stelle nicht, allerdings steht fest: Es wird in gewohnter Taktung weitergehen. Das Potenzial des EOS R Systems ist enorm, sowohl was Kameras als auch Objektive angeht. Durch das RF Bajonett haben wir neue Möglichkeiten, was die Konstruktion neuer Objektive und deren Abbildungsleistung angeht. Wir möchten uns darauf fokussieren, mit Technologien aufzuwarten, die innovativ, state of the art und zukunftsweisend sind. Am Beispiel der vorhin bereits erwähnten EOS R3 ist das schön abzubilden – etwa mit Blick auf die Autofokus-Technologien. Natürlich wird es auch im Bereich Forschung und Entwicklung weiterhin darum gehen, die besten Technologien zu entwickeln.

Guido Jacobs: Der „new way of selling“ ergibt sich aus dem „new way of working“.

Bezüglich der Trends für das kommende Jahr: Alle sprechen vom „new way of working“. Wird es Ihrer Meinung auch einen „new way of selling“ geben?

Wir leben in einer rasanten Welt. Und wir müssen schneller auf verschiedene Umstände reagieren, wie man jetzt gerade brandaktuell an der Corona-Pandemie sehen kann. Es geht wie schon gesagt darum, 360 Grad Angebote zu schaffen. Das beginnt bei einem vollständigen Sortiment und setzt sich mit exzellenter Beratung, diversen Zahlungsmethoden fort. Ebenso wichtig sind Finanzierungs- und Leasing-Angebote bis hin zu Trainings, Workshops, Leihstellungen und Events. Der „new way of selling“ ergibt sich sozusagen automatisch aus dem „new way of working“.

Können Sie das konkretisieren?

Flexibilität sowie Agilität anstelle von starren und unbeweglichen Prozessen und Strukturen müssen gelebt werden. Und der vielleicht wichtigste Aspekt ist, dass wir in diesen disruptiven Zeiten uns auch bewusst die Zeit für unsere Kunden nehmen und Ihre Bedürfnisse nicht aus dem Fokus verlieren. Das Miteinander sprechen und das Verstehen, die Customer Intimacy, ist so wichtig wie nie.

Sollten also Ihrer Ansicht nach das Marketing mit dem Vertrieb noch enger verzahnt werden?

Die Antwort hierauf ist theoretisch einfach: Ein erfolgreicher „new way of selling“ sollte Maßnahmen aus den erwähnten Punkten in seinen Marketing Mix integriert haben. Das Stichwort lautet demnach: Professionelles Customer-Relationship-Management. Professionell bedeutet dann auch: zielgruppengerecht, nicht „one-size-fits-all“. Ebenso müssen wir von Big Data zu Smart Data Spezialisten werden und lernen, die Daten zu lesen, zu verstehen und folgerichtig zu interpretieren. Nur so können wir die beste Customer Experience für unsere Kunden schaffen. Gepaart mit dem gewohnt professionellen Service sowie der fachkundigen Beratung, die Canon-Kunden von unseren Fachhandels-Partnern gewohnt sind, ergibt sich das Fundament für einen erfolgreichen Weg in die Zukunft – weit über die Pandemie hinaus.

Über Guido Jacobs

Guido Jacobs

Guido Jacobs startete seine Karriere 1995 bei Canon in Deutschland und bekleidete seither verschiedene internationale Managementpositionen, durch die er sich umfangreiches Branchenwissen aneignete. Von 2001 bis 2007 verantwortete er in der Europazentrale in Amsterdam verschiedene europäische Vertriebsaufgaben, bevor er in das Consumer-Marketing in UK und Irland wechselte. Er übernahm dort im Jahr 2012 über das Marketing hinaus die Gesamtverantwortung als Country Director.

2015 kehrte er nach Deutschland zurück, um hier das Consumer-Geschäft für Deutschland zu leiten. Unter seiner Federführung wurde 2016 das Länder-Geschäft von Deutschland, Österreich und Schweiz erfolgreich in die jetzt geltende DACH-Organisation überführt, der er seither vorsteht.

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