Das Werk "Misleading Information" stammt aus der Serie "Intercepted" der recommended Stipendiatin Nadja Bournonville. 2017 © Nadja Bournonville
Das recommended Stipendium wurde von Olympus, dem Haus der Photographie / Deichtorhallen Hamburg, dem Foam Fotografiemuseum Amsterdam und Fotografie Forum Frankfurt (FFF) ins Leben gerufen. Im Rahmen der „7. Triennale der Photographie Hamburg“ zeigen nun die ersten drei Künstler, die in den Genuss eines solchen Stipendiums gekommen sind, ihre Werke.

Hinter dem Begriff „recommended“ (deutsch: „empfohlen“) verbirgt sich ein neues Stipendium, das von Olympus, dem Haus der Photographie / Deichtorhallen Hamburg, dem Foam Fotografiemuseum Amsterdam und Fotografie Forum Frankfurt (FFF) initiiert wurde. Im Sommer sind nun die ersten Ergebnisse zu bestaunen.

So werden die ersten drei Stipendiaten, Thomas Albdorf, Nadja Bournonville und Lilly Lulay, im Rahmen der „7. Triennale der Photographie Hamburg“ erstmals ihre Werke zeigen, die während des letzten Jahres im Rahmen des Stipendiums entstanden sind. Die Ausstellung ist unter dem Titel „recommended“ vom 8. Juni bis zum 1. Juli in der Freien Akademie der Künste Hamburg zu sehen. Kuratiert wird sie von Ingo Taubhorn, Kurator des Hauses der Photographie der Deichtorhallen Hamburg.

Fotos durch den digitalen Wolf gedreht

Die Werke des Österreichers Thomas Albdorf (*1982) kennzeichnet eine starke konzeptionelle Herangehensweise. Er nutzt online geteilte Bilder und gestaltet sie in seinem Studio oder in Photoshop neu. Dann füttert er Software zur automatischen Bilderzeugung mit diesen teils digitalen, teils analogen Konstrukten und übergibt sie Bilderkennungsprogrammen. Auf diese Weise kritisiert das Werk den Umstand, dass Bilder durch ihre kontinuierliche Wiederholung zunehmend selbstreferenziell werden. Letztlich stellt sich die Frage, welche Auswirkungen diese Entwicklung auf unsere Erkenntnismöglichkeiten durch Fotografie hat.

Spionin in der Familie

Die Serie „Intercepted“ der Schwedin Nadja Bournonville zeigt ein künstlerisch-ästhetisches Gesamtkunstwerk aus 31 verschieden formatigen Bildern. Eine unglaubliche Familiengeschichte sowie intensiven Recherchen in Archiven bilden die Grundlage für die Bildwelt der Künstlerin. Sie thematisiert die Geschichte der Tante ihrer Großmutter, die im Ersten Weltkrieg für kurze Zeit als Spionin für die Deutschen agierte. „Eine Fotografin ist immer auch eine Zeugin, eine Spionin und Erzeugerin alternativer Realitäten“, sagt Bournonville. Sie hatte die Geschichte der Spionin schon lange im Kopf und konnte sie nun in dem Jahr, in dem sich das Ende des Ersten Weltkrieges zum hundertsten Mal jährt, realisieren.

Wie das Smartphone die Fotografie verändert

Die Deutsche Lilly Lulay schließlich thematisiert in ihrem Werk, wie sich Funktionen und Erscheinungsweise der Fotografie durch die Einbindung in das Smartphone verändern. Parallel dazu untersucht sie den Umgang mit Fotografie in unseren Wohnräumen. In der Serie „Unser Schreibzeug arbeitet mit an unseren Gedanken“ beschreibt sie Fotos von Innenräumen mit Icons des digitalen Zeitalters. Sie werden durch einen Lasercutter ausgeschnitten. So entsteht ein filigranes Gebilde aus Formen und Farben, die den visuellen Overload der Smartphone-Kommunikation verkörpern.

Nur gucken, nicht anfassen

In der Installation der Serie „How to Get in Touch“ finden sich Objekte mit unterschiedlichen haptischen Eigenschaften: Drucke auf Stoff und Porzellan, zerknüllte Papierabzüge und Abdrücke aus Modelliermasse. Es sind fotografische Objekte, die man eigentlich nicht nur anschauen, sondern auch anfassen möchte.

Die Triennale der Photographie Hamburg findet 2018 unter dem Titel „Breaking Point“ statt. Die formal-ästhetische Erweiterung der klassischen Fotografie, wie sie die recommended-Ausstellung abbildet, fügt sich somit harmonisch ins Programm der Triennale ein. Bilden die Werke von recommended doch thematisch ebenfalls Wendepunkte, Momente des Wandels ab. Des Wandels der Verwendung der Fotografie im Netz und im Alltag, aber auch in Form von außergewöhnlichen persönlichen Entscheidungsmomenten.

recommended Stipendien im Zweijahres-Turnus

Das recommended Stipendium zeichnet sich durch die einzigartige Zusammenarbeit der beteiligten Institutionen, Haus der Photographie / Deichtorhallen Hamburg, Foam Fotografiemuseum Amsterdam, Fotografie Forum Frankfurt und Olympus aus. Olympus hat sich zum Ziel gesetzt, den fotografisch künstlerischen Nachwuchs zu fördern. Die Ausstellungshäuser haben ihre Expertise in die Entwicklung des Stipendiums eingebracht. recommended ermöglicht den Stipendiaten die freie Arbeit an einem fotografischen Werk, die persönliche Beratung durch erfahrene Kuratoren, Ausstellungsmöglichkeiten und hochwertiges Kamera-Equipment. Das Stipendium wird in einem zweijährigen Turnus vergeben.

Weitere Informationen zu recommended unter: https://recommended.photo

Einen ersten Eindruck der recommended Ausstellung liefert unsere Bildergalerie:

Thomas Albdorf, ‘Very Beautiful Stuff at the Local Gift Shop! (1)’

Thomas Albdorf, ‘Very Beautiful Stuff at the Local Gift Shop! (1)’ (Dessert, Still Life, Drink / Spoof: Unlikely), 2018, © Thomas Albdorf

Thomas Albdorf‚ ‘We Went to a Crater’

Thomas Albdorf‚ ‘We Went to a Crater’ (Geological Phenomenon, Sea, Smoke, Volcanic Landform / Spoof: Unlikely), 2018, © Thomas Albdorf

Nadja Bournonville, "Misleading Information"

Nadja Bournonville, Misleading Information, from the series: Intercepted, 2017 © Nadja Bournonville

Nadja Bournonville, "Potato Diet"

Nadja Bournonville, Potato Diet, from the series: Intercepted, 2017, © Nadja Bournonville

Lilly Lulay, "Our Writing Equipment Takes Part in the Forming of Our Thoughts"

Lilly Lulay, Our Writing Equipment Takes Part in the Forming of Our Thoughts, Detail, 2017, © Lilly Lulay

Lilly Lulay, "Paris Studio"

Lilly Lulay, Paris Studio, from the series: How to Get in Touch, 2017, © Lilly Lulay