Mr. Sofortbild: Stephan Althoff, Produktmanager instax bei Fujifilm Deutschland
FOTOwirtschaft sprach mit Stephan Althoff, Produktmanager instax bei Fujifilm Deutschland, über die Gegenwart und die Zukunft der Sofortbildfotografie sowie über die neuesten Innovationen auf diesem Gebiet.

Herr Althoff, die erste instax-Kamera, die instax mini 10, wird im November 21 Jahre alt. Hat das Sofortbild seine Halbwertszeit überschritten?
Althoff: Das Thema Sofortbild hat sich gerade in der Zielgruppe der „Digital Natives“ als eigenständige Fotografie etabliert. Somit kann von einem Trend oder einer Halbwertszeit nicht die Rede sein. Die immer noch sehr hohe Nachfrage nach Sofortbildprodukten aus dem Hause Fujifilm als auch die Forenbeiträge bestätigen die Tatsache, dass die Sofortbildfotografie mehr ist als nur ein Trend, der schnell kommt, aber auch wieder schnell vom Markt verschwindet.

Wie war dieses Comeback überhaupt möglich?
Was war am Anfang? Wissen wir es? Fujifilm hat trotz enormer Rückgänge nach dem Hype der 70er-Jahre an die Sofortbildfotografie geglaubt und sie nicht gänzlich – ein für alle Mal – vom Markt genommen. Dieser Glaube und die Beharrlichkeit zahlen sich nun aus. Eine „alte“ Idee fiel auf fruchtbaren Boden. Für die junge Generation ist die Sofortbildfotografie in unserer heutigen schnelllebigen Zeit ein Stück Entschleunigung und Konzentration auf das Wesentliche. Momente eingefangen, so wie sie sind und erlebt wurden, nicht perfekt, nicht gestellt, nicht nachbearbeitet.

Zwischen den Veröffentlichungen der Fujifilm instax mini 10 (l.) und der aktuellen Fujifilm instax mini LiPlay liegen über 20 Jahre. (Fotos: Fujifilm)
Zwischen den Veröffentlichungen der Fujifilm instax mini 10 (l.) und der aktuellen Fujifilm instax mini LiPlay liegen über 20 Jahre. (Fotos: Fujifilm)

Aber wird nicht genau dieses Prinzip durch die neuen Sofortbildkameras immer mehr verwässert?
Im ersten Blick mag es den Anschein einer Verwässerung haben. Dem ist aber nicht so, denn durch das breit aufgestellte Produktportfolio, bieten wir jedem Sofortbildfotografen oder dem der es werden will, das richtige Produkt an. Mädchen, zwischen 14 und 18, lieben die instax mini9, ein ambitionierter Fotograf, weiß die Vorteile der LiPlay Kamera mit Soundfunktion zu schätzen, ein Profifotograf, der ständig auf Achse ist, nutzt den Printer für Sofortbilder „on the road“.

„Sofortbildfotografie hat sich als eigenständige Ausdrucksform etabliert.“

Stephan Althoff

Welche Eigenschaften kennzeichneten damals wie heute das Erfolgsmodell Sofortbild?
Gerade in einer Zeit, in der es scheint, alles gehe schneller, Lebenszyklen würden kürzer und die Halbwertszeiten, wie Sie sie beschrieben haben, nähmen zunehmend ab, hat sich die Sofortbildfotografie als eigenständige Ausdrucksform etabliert. Die junge Generation, die die analoge Welt, wie zum Beispiel Schallplatten, nur aus Erzählungen kennt, die mit dem Smartphone aufgewachsen ist, entdeckt die Sofortbildfotografie als etwas neues und faszinierendes. Ein Bild, das sich vor den Augen entwickelt und dadurch zu einer haptischen Erinnerung wird, begeistert die Generation der Millenials. Ein Bild, das nicht gepostet oder unendlich vervielfältigt werden kann, ist daher schon etwas Besonderes.

Speziell die Generation der Millenials sind Feuer und Flamme für Sofortbildfotografie, so wie hier am Messestand von Fujifilm auf der photokina 2018. (Foto: © Koelnmesse GmbH, Thomas Klerx)
Speziell die Generation der Millenials ist Feuer und Flamme für die instax Sofortbildfotografie, so wie hier am Messestand von Fujifilm auf der photokina 2018. (Foto: © Koelnmesse GmbH, Thomas Klerx)

Aber mit den aktuellen Kameras kann heute jeder seine Sofortbilder auch mit der Community bei Instagram, Twitter und Co. teilen. Wo ist da die Einzigartigkeit?
Bei dieser Frage müsste man zunächst einmal den Begriff Sofortbild definieren. Ein Bild auf Instagram, Twitter oder Co. kann ein Abbild des Sofortbildes sein. Der Charme einer eigenständigen Bildästhetik leidet, geht aber nicht verloren. Das haptische Erlebnis oder die Spannung bei der Entwicklung eines Sofortbildes geht in den Sozialen Medien allerdings verloren. Unsere Erfahrungen zeigen, dass, trotz der Möglichkeit eine Aufnahme x-beliebig zu vervielfältigen, die Nutzer ein Bild selten mehr als ein- oder zweimal ausdrucken. Die Einmaligkeit ist also immer noch ein wichtiger Faktor für die Sofortbildfotografie. Obwohl sie theoretisch nicht mehr gegeben ist, wird sie gelebt und geschätzt. Das Sofortbild bleibt in seiner Bildsprache und in seiner Haptik immer ein Unikat.

Bei den instax-Kameras ist inzwischen immer mehr „digitaler Schnick-Schnack“ an Bord. Ist diese Entwicklung allein den Wünschen der Konsumenten geschuldet?
Die Entwicklung eines Produktes orientiert sich einerseits an einem vorhandenen Innovationspotential sowie andererseits an den Wünschen der Zielgruppen. Ein entscheidender Vorteil ist, dass die Impulse aus dem Markt nicht national begrenzt sind. Wir sammeln Anregungen aus der internationalen Sofortbildwelt, bewerten sie und dann fließen sie in die Entwicklung neuer Produkte ein.

„Sofortbild kann mehr Sinne ansprechen als nur das Sehen und die Haptik“

Stephan Althoff

Bemerken Sie bei Fujifilm diesbezüglich von Konsumentenseite einen Wandel hinsichtlich der Anforderungen an eine Sofortbildkamera?
Der Appetit kommt beim Essen. Das soll heißen, dass ein Mädchen, das seit Jahren mit einer instax mini8 oder -9 fotografiert, irgendwann vielleicht mehr machen möchte, als nur zu fotografieren und Spaß zu haben. Mit der instax LiPlay hat sie die Möglichkeit, zu experimentieren, neue Ideen zu verwirklichen und am Ende immer noch Spaß zu haben.

Besagte instax mini LiPlay kann Sprachnachrichten aufzeichnen und über einen QR-Code ins Sofortbild einbinden. Andere Wettbewerber nutzen Augmented Reality um Videos ins gedruckte Foto zu integrieren. Was kommt als nächstes?
Wer sagt denn, dass man technische Neuerungen und Standards, wie beispielsweise Augmented Reality, Videos, Sounds und die Sofortbildfotografie nicht kombiniert darf? Die Sofortbildfotografie kann mehr Sinne ansprechen, als nur das Sehen und die Haptik. Lassen wir uns überraschen, was unter dem Motto „Value from Innovation“ im Bereich der Sofortbildfotografie in Zukunft noch entwickelt wird.

Wo sind bei der Sofortbildfotografie überhaupt noch Entwicklungspotenziale vorhanden?
Die Entwicklung der Fotografie / Sofortbildfotografie zeigt, es gibt keine Entwicklung mit einem definierten Ende. Techniken ändern sich, neues entsteht, altes wird verdrängt. Das Bild, wie wir es seit über 100 Jahren kennen, wird es meiner Meinung nach auch in hundert Jahren noch geben. Mit welcher Technik wir den Moment visuell festhalten und wieder ausgeben, wird die Zukunft zeigen.

Der Absatz von Sofortbildkameras verzeichnet weiterhin zweistellige Wachstumsraten – 2018 wurden laut GfK 460.000 Modelle verkauft, ein Plus von rund 11 Prozent zum Vorjahr. (Quelle: PIV)

Das „erste Leben“ des Sofortbildes dauerte rund 40 Jahre. Wie lang geben Sie dem zweiten noch und wird es danach noch ein drittes geben?
Die Zuwachsrate in zweistelliger Höhe zeigt uns, dass Sofortbildkameras ihren Zenit noch nicht erreicht haben. Wie lange der Produktlebenszyklus noch im Aufschwung sein wird oder Fujifilm es schaffen wird, durch neue Produkte und Ideen die Zyklen zu verlängern, kann niemand vorhersehen. Auch die Antwort auf die Frage, was nach der Sofortbildfotografie, wie wir sie heute kennen, kommen wird, kennen wir nicht. Im Mobilfunk beispielsweise fragt man sich ja ebenfalls schon lange, was nach dem Smartphone kommt. Aber auch auf diese Frage haben wir noch keine Antwort erhalten.

Wird sich das Thema Drucken auf Papier vielleicht bis dahin ohnehin von selbst erledigen?
Was das Drucken von Fotos angeht, belegen Markforschungszahlen gerade das Gegenteil. Fotos auf Fotopapier in den klassischen Formaten sind nicht mehr so begehrt wie sie mal waren. Dies liegt aber nicht an den Produkten, sondern daran, dass neue Produkte, wie Fotobücher, Wandbilder, Fotokalender, Leinwände usw. Alternativen darstellen, ein Motiv haptisch auszugeben. Betrachtet man den Gesamtmarkt kann von einem „erledigen“ nicht die Rede sein.

Danke für das Gespräch.

Dieses Interview erschien zuerst in der gedruckten Ausgabe der FOTOwirtschaft.

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