Eine Revolution, wie es das Internet war? Die Blockchain-Technologie ist vielversprechend.
Datensicherheit ist eines DER zukunftsträchtigsten Themen. Seit 2013 verzeichnet die Statistik fast 10 Milliarden gestohlene Datensätze. Die Technologie der Blockchain soll fälschungssicher sein, Korruption und Manipulation bei getätigten Transaktionen ausschließen. Sie macht Informationen zum Gemeingut und könnte eine ähnliche Revolution auslösen wie einst das Internet.

Es mag etwas drastisch klingen, doch die Datensicherheit ist weltweit zu einer der größten Herausforderungen der Gegenwart geworden. Dabei trifft die zunehmende Komplexität von Cyberangriffen auf einen nach wie vor existierenden Mangel an Cybersicherheit. Die Zahl aller kompromittierten Datensätze, die durch Datenverletzungen und Cyberkriminalität verloren gingen oder gestohlen wurden, summiert sich seit 2013 auf insgesamt fast 10 Milliarden weltweit. Speziell vor diesem Hintergrund bekommt die Technologie der so genannten „Blockchain“ immer größere Bedeutung.

Auch wenn 2018 gemeinhin als „Testjahr“ für die Blockchain gilt, handelt es sich hierbei de facto nach wie vor um Zukunftsmusik. Die deutsche Wirtschaft sieht zwar große Chancen in der Blockchain, zögert aber noch, die Technologie in eigenen Unternehmen einzusetzen. Vor allem fehlende Anwendungsfälle, der Mangel an Blockchain-Experten sowie rechtliche Unsicherheiten werden dabei als Herausforderungen gesehen.

Fälschungssichere Datenbank

Aber von vorne: Was verbirgt sich hinter dem Begriff „Blockchain“, mit dem IT-Experten seit einigen Monaten so inflationär um sich werfen? Bei Blockchains („Block-Ketten“) handelt es sich um Daten­banken, ursprünglich ins Leben gerufen, um die virtuelle Währung Bitcoin zu verwalten. Diese Datenbanken sind verteilte Daten­banken. Heißt: Sie liegen nicht auf Servern, sondern jeder Nutzer hat eine eigene und vollständige Kopie. Die Informationen werden in sogenannten Blöcken abgelegt. Die Art der Information ist dabei zweitrangig und kann alles sein, was in den Datenblock passt: eine Finanztransaktion, ein Vertrag, Testament, Aktien, Kaufverträge oder der Hashwert zu einer Datei.

Ein Block enthält immer auch eine Transaktions-Historie. Jeder neue Block ist verbunden mit dem vorhergehenden Block und enthält die Historie in Form einer Prüfsumme des vorhergehenden Blocks. Zusätzlich zur Prüfsumme des vorhergehenden Blocks enthält ein Block auch immer die Prüfsumme der gesamten Kette. Blockchain ist im Grunde ein dezentrales Protokoll für Transaktionen zwischen Parteien, das jede Veränderung transparent erfasst. Innerhalb der Blockchain kann eine Information (also auch Veränderungen) jederzeit nachvollzogen werden – auch für neue Teilnehmer. Mehr Transparenz geht nicht.

Verifizierende Minenarbeiter

Jeder Block wird durch das sogenannte „Mining“ verifiziert und versiegelt. Einmal verifiziert ist der Block und die darin enthaltene Information unveränderlich und für jeden sichtbar gespeichert. Da gespeicherte Informationen für jeden im Original verfügbar sind, ist Blockchain entsprechend transparent. Diejenigen, die Blöcke verifizieren, sind Miner, die Rechenleistung zur Verfügung stellen um die Blöcke zu verifizieren. Sie agieren also wie eine Art Buchhalter.

Wer an einem auf Blockchain basierenden System teilnehmen möchte, benötigt eine Zugangssoftware, basierend auf einem Schlüsselpaar. Einem privaten und einem öffentlichen Schlüssel. Der öffentliche Schlüssel ist für jeden sichtbar. Der private Schlüssel ist geheim und vergleichbar mit einem Passwort. Jede Transaktion oder Bewegung innerhalb der Blockchain wird mit Hilfe des privaten Schlüssels signiert.

Anwendungsbereiche

Für das System der Blockchains sind zahlreiche Anwendungsbereiche denkbar. Für Kryptowährungen wie den Bitcoins wird die Software ja bereits genutzt. Neben der Musikindustrie, wo es um das Verwalten vorn Rechten geht, ist ein Einsatz weiterhin überall dort vorstellbar, wo Transparenz und Nachvollziehbarkeit erforderlich ist. Etwa im Vertragswesen oder Steuerrecht. In der Finanzbranche beschäftigt man sich bereits eingehend mit dem System. Angeblich arbeitet die CITI-Bank bereits an über vierzig Projekten. Das Potenzial, eine ähnliche Revolution zu werden wie das Internet Anfang der 90er Jahre, hat Blockchain.

Deutschland soll Vorreiter werden

In Großunternehmen steht Blockchain zwar auf der Agenda, doch es fehlen praktische Anwendungsfälle als erfolgreiche Beispiele. Bitkom-Präsident Achim Berg sieht viel Potenzial in der Technologie und nimmt Deutschland in die Verantwortung. Deutschland solle zum Vorreiter der Blockchain-Anwendungen werden. „Wir müssen jetzt dafür sorgen, dass Blockchain-Technologien Teil von Ausbildung und Studienangeboten werden. Wir haben bei anderen Technologien gesehen: Wenn es an den klugen Köpfen fehlt, dann fehlt es auch an marktfähigen Anwendungen“, so Berg. Darüber hinaus bedarf es einer massiven Förderung der Forschung zur Blockchain. Etwa durch anwendungsbasierte Forschungscluster zwischen Industrie und Hochschulen, aber auch durch Förder­programme.