Der Boom beim Bilderdruck reißt nicht ab. Die meisten Aufträge stammen mittlerweile vom Smartphone. (Foto: http://pxhere.com/de/photo/1449071)
Bilderdruck hat Zukunft. Aktuelle Prognosen rechnen in den nächsten Jahren bei Fotobuch & Co. mit weiterem Wachstum. Wichtigste Wachstumstreiber für das Geschäft mit Fotodrucken und Fotomehrwegprodukten sind bereits seit geraumer Zeit die Smartphone-Fotografen.

Die Digitalisierung ist schuld. Die Globalisierung auch. Social Media? Auf jeden Fall! Und die Smartphones. Wegen ihnen sind wir Gehetzte im Hamsterrad der technischen und gesellschaftlichen Entwicklung. Wir drehen immer schneller, ohne Aussicht, jemals an ein Ziel zu kommen. Zufriedenheit, Individualität, Einzigartigkeit bleiben demzufolge eine Sehnsucht. Eine Sehnsucht, die andererseits den Nährboden für den Bilderdruck Boom bildet.

„Digital Natives“ auf der Suche nach dem Bilderlebnis

Wir, das ist zuerst einmal die Generation der Millenials, die Generation Y. Die „Digital Natives“, die im Zeitraum der frühen 1980er bis zu den späten 1990er Jahren geboren wurden. Aber auch die darauf folgende Generation. Sie haben Soziale Netzwerke mitsamt ihren Möglichkeiten und Zwängen schließlich erst groß gemacht. Und während heute selbst Oma und Opa ein Facebook-Profil haben, sie sind es, die sich zunehmend distanzieren.

Quo vadis, Social Media?

Facebook registrierte 2018 in Europa erstmals einen leichten Rückgang der Nutzerzahlen. 279 Millionen tägliche User im Juni 2018 waren es acht Millionen mehr als im Jahr davor – jedoch drei Millionen weniger als im ersten Quartal 2018. Zuletzt begünstigten außerdem Diskussionen über Mängel beim Datenschutz, die Verbreitung von Fake-News oder die Flucht des Unternehmens vor dem Fiskus in Europa diese Entwicklung zusätzlich.

Social Media adé – Individualität „dahoam“

Individualität gibt es nicht in Sozialen Netzwerken, sondern nur in der Realität. Der Trend zu „Do it yourself“ ist demgemäß eine Folge dieser Erkenntnis. Dinge selbst herzustellen erfährt schon seit einiger Zeit einen enormen Bedeutungswandel. Der Trend geht deshalb hin zu individuell gefertigten Produkten. Etwas mit den eigenen Händen zu erschaffen erzeugt positive Gefühle. „Selfmade“ ist darum möglicherweise das neue Statussymbol des 21. Jahrhunderts. Denn individueller als selbstgemacht ist nicht möglich.

Dem Foto kommt in diesem Zusammenhang gleich eine doppelte Bedeutung zu. Einerseits die Arbeit mit selbst gemachten Fotos, die einmalige Momente und Emotionen transportieren, andererseits die vielfältigen Möglichkeiten des Bilderdrucks zur Erstellung emotionaler, individueller Fotoprodukte.

Bilderdruck legte 2018 in Wert und Menge zu

Fotobücher, Scrapbooks stehen bei den Deutschen hoch im Kurs, wie die aktuellen Marktdaten von Photoindustrie-Verband (PIV) und Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) belegen. So wurden 2018 Foto-Mehrwegprodukte im Wert von 332 Millionen Euro bestellt und produziert. Speziell Wanddeko mit selbst geschossenen Bildern erfreut sich höchster Beliebtheit. Nicht nur klassisch als 9×13- oder 10×15-Abzug im Bilderrahmen, sondern gerne auch im Großformat. Ausgedruckt auf unterschiedlichsten Materialien genauso wie als großes Mosaik aus verschiedenen kleinen Leinwänden oder Hartschaumplatten.

Deutsche bestellen Wanddeko im Wert von 200 Millionen Euro

138 Millionen Euro wurden in diesem Bereich des Bilderdrucks 2018 umgesetzt. Zählt man die 78 Millionen, die mit Fotokalendern umgesetzt wurden noch hinzu, dekorierten die Deutschen ihre eigenen vier Wände mit Fotoprodukten im Wert von über 200 Millionen Euro.

Bilderdruck besticht mit immenser Produktvielfalt

Im Kern bedeutet Individualisierung soviel wie die Freiheit der Wahl. Und was Foto-Großlabore und andere Bilddienstleister heute an Wahlmöglichkeiten anbieten, ist so facettenreich wie nie zuvor. Fortschritte in der Drucktechnologie einerseits und die Verfügbarkeit qualitativ guter Fotos auf Kameras und insbesondere auf Smartphones andererseits eröffnen heute bislang ungekannte Möglichkeiten.

Nachfrage nach Smartphones mit guten Kameras steigt

„Das Smartphone ist ein mobiler Begleiter in allen Lebenslagen. Das Ökosystem aus Geräten, Apps, Diensten und Netzinfrastruktur steht für stabiles Wachstum – und für Innovation“, sagt Bitkom-Präsidiumsmitglied Dr. Hannes Ametsreiter. Acht von zehn Menschen ab 14 Jahren in Deutschland (81 Prozent) nutzen ein Smartphone. Das entspricht 57 Millionen Nutzern. Kurzum: Für die überwiegende Mehrheit sind Smartphones ein wichtiger und nützlicher Begleiter im alltäglichen Leben, wie eine aktuelle repräsentative Bitkom-Umfrage ergab.

Die Deutschen lieben Smartphone-Kameras

Und daran scheint sich zumindest mittelfristig auch nichts zu ändern. „Der deutsche Markt entwickelt sich entgegen dem globalen Trend positiv. Während der Smartphone-Absatz auf dem Weltmarkt zuletzt zurückging, bleibt die Nachfrage in Deutschland stabil, und speziell das Interesse an hochpreisigen Phablets nimmt weiter zu. Die starke Nachfrage nach hochpreisigen Geräten mit Highend-Kameras treibt deshalb die Umsätze und Durchschnittspreise“, sagt Ametsreiter.

Überwiegender Teil gedruckter Fotos stammt von Smartphones

Das macht sich auch beim Bilderdruck bemerkbar: Schließlich stammt inzwischen fast jedes zweite Bild, das heute bei CEWE verarbeitet wird, von einem Smartphone. Bei Kodak und Fujifilm ist es übrigens nicht anders (vgl. FOTOwirtschaft Januar-Februar 2019). Kein Wunder also, dass Fotolabore und Bilddienstleister beginnen, ihre Aktivitäten zunehmend auf die Kundengruppe der Smartphone-Fotografen auszurichten. Der Bilderdruck generell und mit den Fotos vom Smartphone im Besonderen birgt noch großes Potenzial. So bescheinigen PIV und GfK dem Geschäft mit Fotomehrwegprodukten bis 2022 ein leicht abflauendes Wachstum.

Dieser Artikel ist zuerst in FOTOwirtschaft 03/19 erschienen.