Das Online-Bewertungsportal Yelp darf seine in Sternen ausgedrückte Gesamtbewertung von Unternehmen auf eine automatisierte Auswahl bestimmter Bewertungen stützen. Dies entschied der Bundesgerichtshof (BGH) am 14. Januar 2020 im Streit zwischen einer Betreiberin mehrerer Fitnessstudios im Raum München und der Internetfirma. (Foto: pixabay)

Das Bewertungsportal Yelp darf bestimmte Bewertungen in die Gesamtnote einfließen lassen und andere ignorieren. Die Nichtberücksichtigung potenziell gefälschter oder gekaufter und nicht vertrauenswürdiger Bewertungen ist rechtens, so der BGH.

Der Bundesgerichtshof (BGH) hat in einem heutigen Urteil die Praxis von Online-Bewertungsportalen gestärkt. Dienste wie Yelp dürfen demzufolge ihre Bewertungen von Unternehmen auf eine automatisierte Auswahl stützen. Somit wies der BGH die Klage einer Fitness-Unternehmerin gegen Yelp zurück, welche die von einem Algorithmus erstellte Durchschnittsbewertung ihres Unternehmens als zu schlecht erachtet hatte.

Online-Bewertungen durch die Meinungsfreiheit geschützt

Wie der BGH erklärte, überwiegen unter dem Strich die rechtlich geschützten Interessen der Klägerin nicht die Belange von Yelp. Die Einstufung von Bewertungen in „empfohlen“ und „nicht empfohlen“ sei zudem durch die Berufs- und Meinungsfreiheit geschützt. Hierdurch hob der BGH ein anders lautendes Urteil des Oberlandesgerichts München auf.

Gewerbetreibende müssen Kritik hinnehmen

Ein Gewerbetreibender müsse Kritik an seinen Leistungen und die öffentliche Erörterung geäußerter Kritik grundsätzlich hinnehmen, sagte der Vorsitzende Richter Stephan Seiters (Az. VI ZR 495/18 u.a.).

Auf Portalen wie Yelp können Verbraucher ihre Erfahrungen mit Hotels, Restaurants oder Geschäften und Dienstleistern bewerten. Die Bewertungsskala im konkreten Fall reicht von einem (sehr schlecht) bis fünf Sterne (sehr gut). Außerdem kann der Nutzer seine Bewertung in einem Textfeld kommentieren.

Filterung von Bewertungen ist rechtmäßig

In die Durchschnittsbewertung fließen jedoch nicht alle Beurteilungen ein. Stattdessen wählt ein Algorithmus automatisch Beiträge aus, die Yelp für besonders hilfreich und authentisch hält. Durch die Filterung sollen Gefälligkeitsbewertungen und Fälschungen aussortiert werden. Zum Beispiel stuft der Algorithmus Beiträge von Usern, die bislang kaum oder gar nicht bei Yelp aktiv waren, weniger empfehlenswert ein, als andere. Die Karlsruher Richter erklärten diese Praxis in ihrem heutigen Urteil für rechtmäßig.

„BGH-Urteil stärkt den Verbraucherschutz“

„Der Bundesgerichtshof hat mit seinem heutigen Urteil gleichermaßen den Verbraucherschutz wie die Rechtssicherheit von Plattformbetreibern gestärkt“, kommentiert Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder das BGH-Urteil. „Er hat einmal mehr gezeigt, wie wichtig transparente und unabhängige Bewertungen für die Verbraucher sind. Die Nutzer müssen sich auf die Vertrauenswürdigkeit und Echtheit von Online-Bewertungen verlassen können. Das bedeutet, dass Plattformen gefälschte, gekaufte und nicht vertrauenswürdige Bewertungen herausfiltern dürfen.“

56 Prozent der Online-Shopper schwören auf Bewertungen

Wie wichtig Online-Bewertungen heutzutage sind, hat eine aktuelle Studie des Bitkom ergeben. Demnach sind Online-Bewertungen für mehr als die Hälfte (56 Prozent) der Online-Shopper eine wichtige Entscheidungshilfe.

56 Prozent der Internetnutzer und Online-Shopper informieren sich vor dem Kauf anhand von Bewertungen anderer User. (Quelle: bitkom)