Heutzutage werden bereits Hilfsmittel wie Prothesen für Menschen mit Behindung im 3D-Druck hergestellt. (Foto: Creative Commons/pxhere.com)
Der professionelle 3D-Druck ist heute imstande, faszinierende Ergebnisse mit hohem praktischen Nutzen zu produzieren. Im aktuellen Retro-Trend geht diese Art des Bilderdrucks allerdings etwas unter.

Prints von Smartphones boomen und der Trend zu individualisierten Fotoprodukten befeuert das Consumer-Geschäft. Digitale Druckverfahren haben die Individualisierung der Printprodukte ermöglicht und die Basis für eine neue Begeisterung für das haptische Bild geschaffen. Während sich Konsumenten eher „retro“ verhalten, Altes wiederentdecken, rücken längst neue Verfahren wie der Druck dreidimensionaler Gegenstände in den Fokus. Wirtschaftsexperten sehen im 3D-Druck nicht weniger als den Beginn einer umwälzenden industriellen Revolution.

Davon ist auch Christian Müller Rieker, Geschäftsführer des Photoindustrie-Verbandes (PIV) überzeugt. „Es ist erst ein paar Jahre her, dass wir auf der photokina gesehen haben, wie Bilderdrucke mit einer dreidimensional wirkenden Oberfläche hergestellt werden. Nun werden sogar ganze Häuser innerhalb von nicht einmal 24 Stunden ‚gedruckt‘. Kaum eine Branche, die nicht vom sich im atemberaubenden Tempo weiterentwickelten 3D-Druck betroffen ist und sich den Herausforderungen dieser neuen Form der Fertigung stellen muss.“

Vom Prototyping zum ‚Additiven Manufacturing‘

Der Hausbau per 3D-Druck ist zwar eines der spektakulärsten aber keineswegs das bedeutendste Einsatzgebiet dieser bahnbrechenden Fertigungstechnik. Im sogenannten additiven Verfahren entstehen Schicht für Schicht Gegenstände. Das ‚Additive Manufacturing‘ wird in der Medizin, in der Werkzeug- und Ersatzteilherstellung, im Automobil- und Flugzeugbau und vielen weiteren Bereichen eingesetzt. Menschliche Organe, Zahnprothesen, Körpergelenke oder andere Knochenteile kommen aus dem 3D-Drucker. Spezielle Bauteile, von denen nur noch die Pläne existieren, oder Prototypen neuer Produkte und Modelle für Architekturbüros. Die Anwendungen für den 3D-Druck sind schier unendlich.

Inkjet die Mutter des 3D-Drucks

Es waren die Digitalisierung und der Inkjetdruck, die moderne Druckverfahren erst ermöglicht und mit ihrer Vielseitigkeit nicht nur den klassischen, zweidimensionalen Bilderdruck immer weiter perfektioniert und individualisiert haben. Sie haben darüber hinaus ganz neue Dimensionen des Druckens eröffnet. Selbst in den zweidimensionalen Druckverfahren sind die Möglichkeiten noch nicht einmal andeutungsweise ausgereizt. Immer neue Verfahren und Anwendungen, die weit über den reinen Bilderdruck hinausgehen erobern die Märkte.

Rund drei Jahrzehnte Entwicklung und Forschung sind von den ersten Versuchen in den fünfziger Jahren bis zum Durchbruch des Inkjetdrucks in den frühen 80er Jahren vergangen. Jetzt sorgt die Erweiterung zum 3D-Druck erneut für eine technische Revolution. Die Druckerdüsen spritzen nun nicht mehr nur Tinte auf flache Unterlagen, um Bilder aus digitalen Vorlagen in haptische zu verwandeln. Sie formen Schicht für Schicht aus dreidimensionalen, digitalen Plänen reale dreidimensionale, greifbare Produkte aus Kunststoff, Metall oder sogar Baustoffen. Aus den ersten Kunstdrucken mit imitierten reliefartigen Oberflächen wurden Gegenstände. Waren umgekehrt qualitativ hochwertige Inkjetdrucke zunächst nur auf flachen Spezialpapieren möglich, so kann heute praktisch jeder Gegenstand – auch solche mit dreidimensionalen Oberflächenstrukturen – mit speziellen Inkjet-Verfahren bedruckt werden.

3D-Druck, die stille Revolution

„Nur den Wenigsten ist gegenwärtig, dass die Herstellung so vieler Alltagsprodukte bereits auf digitalen Printverfahren basiert“, sagt Christian Müller-Rieker. „Wandtapeten mit strukturierten, reliefartigen Oberflächen, Parkettfußböden, Badezimmerfliesen, Möbelfurniere aber auch modische Textilien sowie die Figuren des Paares auf der Hochzeitstorte, sie alle stammen aus industriellen Druckern.“ Der Konsument merkt davon meist nichts. Und weil das Allgemeinwissen um die Leistungsfähigkeit des 3D-Drucks noch nicht ausgeprägt ist, erleben wir eine Art stille Revolution.

Christian Müller-Rieker: „Die Trägermaterialien können mit jeder denkbaren Oberfläche und jedem gewünschten Bild beziehungsweise Aussehen gestaltet werden. Mit dem geeigneten Druckverfahren lassen sich nahezu alle Medien zwei- oder dreidimensional bedrucken. Wie sehr der Druck unser Leben beeinflussen und verändern wird, zeigt sich schon heute besonders deutlich im 3D-Druck von Prothesen wie Zähnen, Knochen und Organen.“

Bilderdruck ist nur der Beginn einer die Welt verändernden Technik. Auf der photokina, die vom 26. bis 29. September 2018 in Köln stattfindet, können sich Besucher davon selbst überzeugen.